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Denkschrift über die im südwestafrikanischen Schutzgebiete tätigen Land- und Minen-Gesellschaften
Entstehung
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Nach Angabe der Gesellschaft sind von ihr bisher verausgabt worden:

1. für Expeditionen, Landvermessnnq

und Verwaltungskosten . . . m. 1 214 744 ^.

2. für landwirtschaftliche Unterneh­mungen ......... 343 151 -

(einschließlich der Verluste durch den Hereroaufstaud)

3. für Schaffung der Hafen- und Wasserkondensieranlagen in Luede­ritzbucht, für Errichtung der Station Kubub als Stützpunkt des Ver­kehrs zwischen Luederitzbucht und dem Innern, für Gebäulichkeiten

iu Swakopmund und Luederitzbucht - 350 000 -

zusammen ca. 1 997 895

Die Gesellschaft gibt ihren auf den 31. März 1904 be­rechneten Gesamtverlust mit 338 167,85 an. Dividenden oder sonstige Gewinnzahlungen hat sie seit ihrem Bestehen noch nicht an die Anteilseigner abgeführt.

ii. Die 8M »wt Wes liomßsnx.

Wie bei der vorstehenden Erörterung der Deutschen Kolonialgesellschaft für Südwestafrika ausgeführt worden ist, wareu fast acht Jahre seit Übernahme der Schutzherr­schaft über Südwestafrika durch das Reich verflossen, ohne daß es gelungen war, den Unternehmungsgeist auf dieses weite Landgebiet hinzulenken. Wiederholte Ver­suche nach dieser Richtung blieben erfolglos. Selbst der sonst so unternehmungslustige Londoner Geldmarkt ver­sagte. Überall zeigte man sich zurückhaltend und teil- nahmslos angesichts des Pessimismus, der hinsichtlich des wirtschaftlichen Werts von Dentsch-Südwestafrika immer stärker hervorgetreten war. Es trat die Neigung an den Tag, das Schutzgebiet sich selbst zu überlassen. Für die Ausrechterhaltung der deutschen Herrschaft daselbst war eine kritische Zeit hereingebrochen.

Allen denjenigen, die auf Grund eingehender Landes­kenntnis Deutsch - Südwestafrika nicht oberflächlich be­werteten und die Erhaltung dieses Besitzes als eine patriotische Pflicht ansahen, mußte daher die Bereitwillig­keit eines Hamburger Syndikats, sich des bedrängten Schutzgebiets wirtschaftlich annehmen zu wollen, nur will­kommen erscheinen. Daß die Unternehmer hierbei, in­soweit sie das erforderliche Geld nicht aus ihrem eigenen Vermögen beisteuerten, hauptsächlich auf eine Beteiligung des nichtdeutschen Kapitals rechnen mußten, war nach der oben erwähnten Zurückhaltung, die das deutsche Kapital bisher allen kolonialen Bestrebungen in Südwestafrika entgegengebracht hatte, nur zu erwarten. Bei den weit­verzweigten Verbindungen, die jene Hamburger Inter­essenten mit englischen Kapitalisten hatten, war es wiede­rum nur erklärlich, wenn sie zunächst auf dem mit süd­afrikanischen Verhältnissen besser vertrauten englischen Geldmarkte die zur Erschließung des Landes für erforder­lich erachteten Mittel zu finden suchten. Nachdem letztere auch alsbald zugesichert waren, wurde den Herren Wich­mann und Dr. Scharlach unter dem 3. August 1892 die sogenannte Damaralandkonzession unter dem Vorbehalte verliehen, daß innerhalb einer bestimmten Frist eine Ge­sellschaft zur Verwertung der erteilten Berechtigungen ge­gründet werde. Nachdem von den Herren Scharlach und Wichmann der Nachweis erbracht worden war, daß die