Weihnachten 1903
„Master, me think, twofellow moons more — Christmas,“ mit diesen Worten trat eines Abends, als ich mit der langen Pfeife im Langstuhl lag, erwartungsvoll lächelnd mein Hausjunge Topitau zu mir ins Zimmer. Ich legte die alte Zeitschrift, in der ich gerade blätterte, beiseite und fragte ihn, woraus er das schließe. Darauf erhielt ich in demselben entzückenden Südsee-Englisch, von dem ich eingangs eine Probe dargeboten habe, die Auskunft: „Ja, sieh mal, Herr, der Kapok fängt an zu reifen und der Regen kommt.“ Wirklich, der Junge hatte Recht, wir hatten zurzeit Oktober, in zwei Monaten war also Weihnachten. Solche genauen Zeitbestimmungen der Eingeborenen, die keinen Kalender kennen und daher lediglich auf äußere Beobachtung angewiesen sind, sind mir häufig aufgefallen: so z. B. weiß jeder auf drei Jahre angeworbene Arbeiter beinahe auf den Tag genau den Zeitpunkt seines Vertragsablaufs, und nicht gering ist die Zahl der Fälle, wo die Arbeiterliste richtig gestellt werden mußte, wenn zwischen der Stationsleitung und dem Boy Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich des Entlassungstages entstanden waren.
Doch zurück zu Topitau. Ich entließ ihn mit der Versicherung, daß er Recht habe. Vergnügt grinsend eilte er ins Boy-Haus,um seinen Landsleuten die freudige Botschaft zu überbringen. Weihnachten war ja das einzige Fest, dem auch der Farbige ein begeistertes Interesse entgegenbrachte, denn da gab es neben allerlei Belustigungen, wie Sacklaufen, Stangenklettern, Tauziehen sehr begehrenswerte Geschenke,