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Im Lande des Paradiesvogels : ernste und heitere Erzählungen aus Deutsch Neu-Guinea / Carl Leidecker
Entstehung
Seite
30
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Die kleine Station an der urwaldbewachsenen Küste lag erstarrt unter der sengenden Glut des tropischen Mittags.

Aus dem weißglühenden Sonnenball flutete ein Meer von brennendem Licht durch die unbeweglichen Wipfel der Kokospalmen und prallte flimmernd auf die Wellblechdächer der hölzernen Wohnhäuser. Große, graue Ratten huschten lautlos durch die Blättergabelung der Palmen; ein grüner, gelbgetupfter Leguan sonnte sich träge auf dem kahlen Ast eines Brotfruchtbaumes. Die See atmete in tiefen, ruhigen Zügen; nur das schläfrige Plätschern der mit den Kieseln spielenden Wellen drang, kaum hörbar, durch die Pflanzung.

Der Stationsbeamte Sander schnarchte leise im däm­mernden Halbschlaf auf der dem Meere zugekehrten Veranda seines Wohnhauses.

Plötzlich fuhr der dumpfe Knall einer herabsausenden Kokosnuß in die lähmende Stille; er unterbrach dröhnend das Schweigen, pflanzte sich fort durch das weiße Gitterwerk der Veranda und bohrte sich zerstörend in die Traumwelt des sanft schlummernden Weißen.

Gähnend drehte sich Sander im Langstuhl um; er wandte das Gesicht dem Meere zu und versuchte mit halb- zugekniffenen Augen den Horizont zu mustern. Die Arme auf die Seitenlehnen des Langstuhls stützend, richtete er sich halb auf. Ganz in der Ferne schaukelte ein weißer Punkt verschwommen auf dem grauen Dunststreifen, der über dem Meere schwebte. Dem vom langen Schlaf noch getrübten Bewußtsein des Beobachters erschien er bald wie