Druckschrift 
Parlamentarische Studienreise nach Deutsch-Ostafrika : Reisebriefe / von Kalkhof
Entstehung
Seite
66
Einzelbild herunterladen
 

die Marschtruppen auseinanderzogen und je spärlicher die Sonnenstrahlen eindrangen.

Die Plantage, deren Fabrik zur Entkernung der Kaffeebohnen wir vorher passiert, liegt in einem Hoch­tal, dessen Bergwände hoch hinauf mit Kaffeepflanzungen bedeckt sind, die Beamtenwohnungen selbst in halber Berghöhe. Dort sollen wir heute nächtigen. Bei unserer Ankunft, welch eine Überraschung! Im Gehölz am Berg- hang waren eine ganze Anzahl von Zelten aufgeschlagen, in denen zur Abwechslung und mangels genügender anderer Unterkunftsräume diese Nacht jeder, so gut es eben ging, sich zu betten und zu wärmen suchte. Die Nächte in den Bergen sind überaus kühl und das Zudeckmaterial wurde da und dort knapj3; doch der erquickende Schlaf stellte sich nach den Anstrengungen der letzten Tage trotz der veränderten Liegeverhältnisse sehr bald ein. Aber eine Aufnahme in den glänzenden, gastlichen Räumen des Plan­tagenleiters hatten wir gefunden, wie sie herzlicher, an­sprechender, Geist und Körper frisch belebender nicht sein konnte, und das in der weltentlegen scheinenden Ur- waldeinsamkeit der Usambaraberge.

Morgen in aller Frühe soll's in langem Marsch hinab in die Steppenebene zur Eisenbahn zurück und dann wieder aufwärts nach Ost-Usambara weiter gehen.

10. Ost- und West-Usambara.

Schon um 5 Uhr früh weckten die Hornsignale unseres militärmusikalischen Askaris die in Decken und Mäntel gehüllten Schläfer alle in der Runde. Die Nacht war, wie man dies in diesen Bergwaldhöhen gewohnt, kühl, und wir alle freuten uns des baldigen Aufbruchs. Noch­mals versammelten wir uns in den gastlichen Räumen des Plantagenleiters, H. Feilke, zu stärkender Atzung. Und

66