6. Tanga — Daressalam.
Schon bald nach Mittag geleitete man uns, die freundlich grüßenden Schwarzen in hellen Haufen, zum Hafen. In etwa zehn Tagen kommen wir vom Süden her zurück. Um nicht zur Nachtzeit in den Hafen von Daressalam einlaufen zu müssen, fahren wir dem benachbarten Sansibar zu, um in dessen Hafen für die Nacht Anker zu werfen. Bald taucht vor uns die langgestreckte Westküste der Insel auf. Mehrere Stunden fahren wir an derselben entlang. Aus endlosen Kokosnußplantagen grüßen vereinzelte weiße Araberhäuser und Sultansschlösser herüber, und mit der untergehenden Sonne, die das geisterhafte Häuserhell der Stadt mit den Glutfarben des Abendrots überschüttet, machen wir im Hafen von Sansibar für die Nacht fest. Still ist das Meer; der Mond zaubert seine Märchenbilder der Tropennacht, das lärmende Rufen und Plaudern der Ruderer und Händler aus dem Wald von Booten um uns her verstummt allmählich, und in der Kabine träumt wohl mancher von uns den Traum aus „Tausend und eine Nacht" weiter.
Beim Erwachen am anderen Morgen waren wir der afrikanischen Küste schon wieder recht nahe gekommen. Jeder suchte die Hauptstadt der Kolonie zuerst zu sehen, aber lange Zeit umsonst. Erst gegen halb 10 Uhr kamen wir zur Hafeneinfahrt, die in großem Bogen, wie eine breite Flußmündung, landeinwärts geht. Rechts am Strand die Signalstation, dann, in Kokospalmwaldung versteckt, das Gouvernementsgebäude und das hohe, luftige Hospital, dahinter die Türme der protestantischen und katholischen Missionskirchen. Langsam fahren wir weiter, und langsam tauchen da und dort einzelne Dächer aus der Palmwaldrunde auf. Mit einem Mal biegen wir in den überaus geräumigen, breiten Hafen von Daressalam (arabisch: Dar es salam = Stätte des Friedens) ein, über den hinüber, ein Bild von seltener Schönheit, als Abschluß gegen
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