Teil eines Werkes 
Theil 1 (1830) Versuch einer Aesthetik der Tonkunst im Zusammenhange mit den übrigen schönen Künsten nach geschichtlicher Entwickelung / von Dr. Wilhelm Christian Müller Lehrer an der Hauptschule in Bremen
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Zwanzigstes Kapitel.

f/^as und wie wirkt die Musik auf den Geist, auf die Intelligenz, auf die anima­lische Natur?

§. 115.

Am Schlüsse meines Versuchs einer musikali­schen Aesthetik begegnen mir obige Fragen. Mau könnte hier vorabfragen: Ist die Musik etwa ein blosses Spielwerk zum Amüsement und Zeitvertreibe für vornehme Leute ein wenig feiner, als Kar­ten - und Würfelspiel ? oder wie das Kaleidoskop für schöne Augen, die sich an zufälligen Farben- und Formenspielen ergetzen? oder wie Marl- und Lotteriespiele der Knaben und Mädchen, um das gesellige Leben der Jugend zu gemessen? Sind die künstlich bunt durcheinander laufenden Töne blos ein bewundernswürdiges Gaukelspiel für müssige Ohren? Mir scheinen alle diese fragen in einer Einzigen jüngst von einem Kritiker ausgesprochen zu sein und beantwortet werden zu können: Ob man bei Instrumentalmusik etwas denken soll" (147). Alle gebildeten Dichter und denkenden Mu­siker haben Gedanken und Gefühle durch \\ orte, Töne und Bewegungen, wie Plastiker, Zeichner, Maler durch Gestalten und Farben auszudrücken und dem Beschauer mitzutheilen gesucht.

Die Aesthetiker haben die Verwandtschaft der Poesie, Musik, Malerei (s. §. 17 27.) anerkannt. Die besten Musiker haben wenigstens seit 100 J. in Tonarten und Taktarten und durch verschiedene Instrumente verschiedene Empfindungen und Ideen auszudrücken versucht (s. §.99101.); sie