Teil eines Werkes 
Theil 1 (1830) Versuch einer Aesthetik der Tonkunst im Zusammenhange mit den übrigen schönen Künsten nach geschichtlicher Entwickelung / von Dr. Wilhelm Christian Müller Lehrer an der Hauptschule in Bremen
Entstehung
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Fünftes Kapitel.

Vebergang aus dem Zustande des kunstlosen ichsels zu einem geregelten Gebrauche durch Sing - und Prophetenschulen. Magie der Kunst und ihre Anwendung zur Erzie­hung. Samuel, David, Homer, Pythagoras. Erste Kunstperiode. Urquelle der Kunst.

§. 30.

Bis zu diesen Schöpfern und Bildnern ihrer Nationen trieb sich die Urmusik des Orients in »ehr engen Schranken herum, ohne bestimmte Me­lodie und ohne bestimmten Rhythmus in imendli- chen Wiederholungen von einerlei Tonformen, wo­durch ein Anklang von Rhythmus entsteht. Dieser Zustand bleibt so lange in einem Volke, bis einmal ein Genie, ein ungewöhnlicher Denker, der schrei­ben kann, erscheint und die rohen Elemente zur Kunst erhebt. Höchst wahrscheinlich ist vor Samuel und David bei den Hebräern, vor Homer bei den Griechen die Musik nichts mehr gewesen, als bei einigen Völkern, welche eben aus dem Stande der Natur sich erhoben haben (22.).

Einen Uebergang machen die Völkerschaften, die an den Grenzen kullivirter Nationen wohnen. Bei diesen ist noch Gesang und Tanz verbunden. Die Tänze sind aber sinniger als unsere europäi­schen Tänze. Die Ueberbleibsel des Caziken-Stam­mes in der Nachbarschaft von Mexico und der Ureinwohner am Lorenzo-Flusse, a?ri Niagara sin­gen Opfer-, Hochzeits-, Lanzen-, Kriegs-, Tod- len-, Friedens-, Heimkehr-, Skalpier-Tänze. Sie