Teil eines Werkes 
Theil 1 (1830) Versuch einer Aesthetik der Tonkunst im Zusammenhange mit den übrigen schönen Künsten nach geschichtlicher Entwickelung / von Dr. Wilhelm Christian Müller Lehrer an der Hauptschule in Bremen
Entstehung
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Sechstes Kapitel.

Musikkunst in der zweiten Hdlße dieser Pe­riode insbesondere der späteren, gebildete­ren Griechen von Pjihagoras bis zu den Römern. Diatonische Skale, bestimmter poe­tischer Rhythmus. Virtuosen ; Timotheus, Philotemus-,

§. 34.

Im Jünglingsalter der antiken Musik, wo sie eigentlich erst des Namens einer Kunst würdig wird, erliebt sie sich im genauer bestimmten Rhythmus zur künstlichen Darstellung phantastischer Ideen und poetischer Gefühle. Dieses ge­schieht durch wechselnde, mi t rhythmi- scher Sprache in Vers form, mehientheils mi­misch tanzender Bewegung, und mit einfach klingenden Instrumenten verbundene, ausge­dehntere Tonreihen in diatonischen Skalen. Diese Erhebung konnte die Musik der Aegypter und Hebräer nicht gewinnen; beide Völker gingen unter griechischer, und zuletzt unter römischer Oberherrschaft unter. Die Griechen, als thätiges Handelsvolk siedelten sich an ihren Gestaden .schon vor Alexander an; und mit der Bezwin­gung derselben entstanden griechische Schulen. He­rodo t erzählt 5oo J. vor Christus, dass er auf seiner Reise durch Griechenland und Aegypten die Musik einerlei gefunden. Er führt die Orphica als Beste von Liedern des Orpheus an; schreibt sie aber nicht dem Orpheus, sondern Pythago- l as zu. Die höhere Vollkommenheit der hebräi­schen praktischen Musik, die wir von Davids