Teil eines Werkes 
Theil 1 (1830) Versuch einer Aesthetik der Tonkunst im Zusammenhange mit den übrigen schönen Künsten nach geschichtlicher Entwickelung / von Dr. Wilhelm Christian Müller Lehrer an der Hauptschule in Bremen
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sie waren alle drei gut und edel das höchste Ziel der Kunst.

Da wir meinen, dass diese drei grössten Ton­meister der modernen Musik die letzte Vollendung verliehen, dass sie in der Kunst dies Ziel, näm­lich die höchste Schönheit erreicht und dar­gestellt haben, sodass über dieselbe hinaus nichts Vollkommeneres erreicht werden kann (120); so glauben wir, dass die Musikkunst mit ihnen auf derselben Höhe steht, als die Plastik mit Praxiteles und Phidias, die Bau­kunst mit Bramante und Michel Angelo, die Malerkunst mit Raphael und Albrecht Dü­rer, die Dichtkunst in Italien mit Tasso und Ariost, in Frankreich mit Racine, Moliere, Voltaire, in England mit Shakspeare, Mil- ton, in Deutschland mit Klopstock, Göthe und Schiller.

Haydn's, Mozart's und Beethoven's Le­bensperioden grenzten unmittelbar aneinander wäh­rend 5oJahren und lebten alle drei in Wien. Wo und wann könnten sich drei Kunstgenies, die sich einander bildeten so wieder zusammen finden ?

Wir verweilen am Ziele unseres musikalischen Strebens noch ein wenig bei der Untersuchung, als unserem Hauptgegenstande:

Sechszehntes Kapitel.

TVorin in der ausgebildeten Musik die wahre Schönheit bestehe? Boraus ihre Kennzeichen und Birkungen erkannt und wie reiner Ge­schmack am Schonen erlangt werde?

§. 95.

In der Kunstwelt kann kein höheres Gesetz gelten, als das Gesetz des Wohlgefallens.