Teil eines Werkes 
Theil 1 (1830) Versuch einer Aesthetik der Tonkunst im Zusammenhange mit den übrigen schönen Künsten nach geschichtlicher Entwickelung / von Dr. Wilhelm Christian Müller Lehrer an der Hauptschule in Bremen
Entstehung
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Drittes Kapitel.

Die Poesie , in verschiedenen Künsten geoffenbart.

§. 17.

Bisher haben wir nur von der inneren sub­jektiven Poesie, als Schöpferin der schönen Künste, gehandelt» Als Inbegriff aller Künste weiss sie die verschiedenartigsten Leistungen stellvertretend un­serer Einbildungskraft vorzuführen.

Nunmehr wollen wir von der äusseren oder objektiven Poesie, d. i. von der poetischen Darstellung, welche uns den Begriff von der Kunst gibt, ausführlicher sprechen. So wie wir denjenigen, in dem sich Poesie befindet, einen poe­tischen Menschen nannten: so müssen wir den­jenigen, welcher Poesie darzustellen vermag, einen künstlichen Menschen, und in manchen Fällen einen Künstler nennen, selbst einen Feuerwerker, einen modernen ConfiUirier, selbst einen genialen Koch nach dem Urtheile feiner Schmecker-

Der Künstler eigentlich schöner Darstel­lungen muss aber als ein freier, gleichsam blos spielender Mensch erscheinen in einer selbst- geschaffenen, abgeschlossenen Welt, in welcher er Nothwendigkeit und Zufall, Verstand und Laune, Ruhe und Affekt, Gefahr und Glück, Gedanken und Gefüblo anregt. Dadurch unterscheidet sich d<r Künstler im Schönen vom mechanischen Künstler und vom technischen Handwerker, wel­cher an nolhwendige Bedürfnisse und an Gebräuche gebunden ist. Der freie Geist aber des Schön­künstlers kann auch mit der Wirklichkeit spie­len, wenn er das Leben selbst poetisch zu nehmen vermag. (7.)