Teil eines Werkes 
Theil 1 (1830) Versuch einer Aesthetik der Tonkunst im Zusammenhange mit den übrigen schönen Künsten nach geschichtlicher Entwickelung / von Dr. Wilhelm Christian Müller Lehrer an der Hauptschule in Bremen
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Zehntes Kapitel.

Der poetisch-musikalische Rhythmus wird im bestimmten Takte die eigentliche Seele der Musik, und bestimmt den Charakter und die Ordnung der Harmonie. Franco. Jean de Meurs. Orlando.

%. 60.

Es ist also zweifelhaft, ob Franco von Cöln schon über Mens mal - Musik geschrieben; und es ist fürs erste noch unentschieden, wer und wann unsere Noten und ihr Zeitwerth erfunden. Abgemessene Musik bedeutet wohl genauer bestimmte .Längen der Töne, und Gleichheit der Abschnitte, was wir musikalischen Rhythmus Takt nennen. Im Anfange des i4. Jahrhunderts haben eigentlich Marchetto in Padua und 1,^70 Jean de Meurs aus der Normandie vom Zeimaasse erläuternd und näher bestimmend ge­schrieben. Den Letzten hält man gewöhnlich für den eigentlichen Erfinder des Taktes. Man brauchte nun nur 4'Figuren: die Quadratnute [ , die spitz­stehende die offene V, und die gefüllte Jede

folgende war die Hälfte der vorigen, so dass die fetzte ohngefähr j| unseres Notenwerthes bedeutete. Vor dem i5. Jahrhunderte finden wir nur dreierlei Noten. Ockenheim und Josquin haben vierer­lei. Da man aber nicht durch Zeichen angeben konnte, wie zu unserer Zeit, ob die Bewegung Adagio, Allegro, Andante oder Presto genommen werden sollte, so kam es auf die Idee des Autors an, die durch Tradition erhalten wurde.