Achtzehntes Kajmel.
Beispiele schöner Musikstücke aus den fünf letzten Jahrhunderten, zur Aussöhnung der Sinnen - und Verstandesurtheile. Geschmack. Zweck der Kunst.
%. 107.
Finden wir Einheit der Poesie, Ausdruck eines bestimmten Gefühls mit Reinheit der Intonation, Wahrheit der Situation mit Rhythmus und charakteristischer Tonart in einem harmonischen Ganzen, zur Erregung schöner Ideen und angenehmer Gefühle dargestellt; so ist das Wesentliche der Schönheit vorhanden. Der Reiz der Instrumente erhöht die Wirkung, Avenn sie eine untergeordnete Begleitung machen, den Ausdruck vorbereiten und stärken.
Ueberschauen wir noch ein Mal nach dieser Bestimmung die geschichtlichen Beispiele seit der Ausbildung der Harmonie und des bestimmten Taktes.
Wir finden, dass zu allen Zeiten einfache Melodien allen Menschen gefallen haben, selbst ohne Takt, wie unser Choral (i5o,). Volkslieder, z. B. der Tiroler, der Schotten, der Kosaken, gewinnen schon durch einfache taktmässige, wiewohl noch ungeordnete Bewegung. Unsere in Harmonie entstandenen, oder in Harmonie gebrachten Lieder stehen für uns höher; die mehrstimmigen Gesänge sind in Verflechtung mehrerer Melodien — aus der contrapunktischen Zeit — zur schönen Motette und Kanzone erhoben worden. Sie haben in verschiedenen Formen gute Wirkungen hervorgebracht.