Teil eines Werkes 
Theil 1 (1830) Versuch einer Aesthetik der Tonkunst im Zusammenhange mit den übrigen schönen Künsten nach geschichtlicher Entwickelung / von Dr. Wilhelm Christian Müller Lehrer an der Hauptschule in Bremen
Entstehung
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Neuntes Kapitel.

Nähere Vorbereitung zu der modernen Harmonie durch die sinnbildliche Tonleiter und Noten­zeichnung. Guido von Arezzo^ io5o.

§. 55.

Die Musik bedurfte aber noch vorher einiger besondern Erfindungen von Hülfsmitteln, wodurch ihre ätherischen Elemente zur Erscheinung gelan­gen konnten um ihre Musenschwestern, Bau­kunst, Bildkunst, Malerei etc., einzuholen, und ihnen gleich stehen zu können, bis diese die Herrschaft über die Gemüther ihr überliessen.

Das vortrefflichste Hülfsmittel war das Clavi- cordium. Hierauf wurden die Ton reihen iti den Tasten sichtbar und begreiflich. Anstatt die Pfeifen in der erfundenen Orgel näher zu legen, brachte Guido die Tasten näher an einander, um mehrere zusammen anzuschlagen, und man reichte mit zwei Oktaven aus. Das zweite universelle Hülfsmittel war die Erfindung unseres Noten­systems.

Ehe wir seinen Erfindungen näher nachspüren, möge mir erlaubt sein, meine eigenen Erfahrungen über das räthselhafte Licht in der Tonwelt mitzu- theilen. Es ist bekannt, dass Guido von Arezzo die Noten oder unser Notensystem nebst dem Clavicordium erfunden haben soll. Seine Be­rühmtheit bestätigen schon bei seinem Leben die ehrlichen Zeugnisse niedersächsischer Chroniken; und die bald nach ihm erscheinende Entwickelung dieser Entdeckungen machen sie wahrscheinlich.