Teil eines Werkes 
Theil 1 (1830) Versuch einer Aesthetik der Tonkunst im Zusammenhange mit den übrigen schönen Künsten nach geschichtlicher Entwickelung / von Dr. Wilhelm Christian Müller Lehrer an der Hauptschule in Bremen
Entstehung
Seite
203
Einzelbild herunterladen
 

179

Zwölftes Kapitel.

Anfang der modernen Musik; nähere Entwiche- lung und Porbereitung in drei Hauptformen durch grosse Genie's. Luther, Pcdestrina, Poliziano. Choral, Oratorium, Recitativ und Arie im Drama. Begleitende Instrumente.

: §. 73.

Das innerste Wesen der Musik schien sich im 16. Jahrhunderte aufschliessen zu wollen und zwar in drei Hauptformen: 1) als verbesserter Chor­gesang in der katholischen Kirche am Al­tare; 2) als Choral der Gemeinde in der protestantischen Kirche, und 5) als weltli­che Musik auf der Bühne.

Die Musik in der katholischen Kirche war und Wieb an fest bestimmte Kirchentexle gebunden, wel­che ein kanonisches Ansehen erhalten hatten, und nach hergebrachter Weise gesungen wer­den mussten. Die Gebetgesänge waren auf jedes Fest fixirt. Es gab auch feste Melodien auf diese Worte. Dadurch setzte sich die Idee des cantus firmu.s fest. Er bestand hauptsächlich in alten unisonischen Choral weisen. Die reli­giöse Idee ersetzte das Wesen der Schönheit.

Bei dem nunmehr eingetretenen, mehrstimmi­gen oder eigentlich harmonischen Gesänge war man, vermöge der kirchlichen Sanktion, noch eine geraume Zeit gezwungen, die geweihten Melodien beizubehalten. Man gab diesen mit Hülfe der da­mals als Hauptsache der Musik getriebenen Contra- punklirkunst neue Begleitungsslimnien oben und un-

12*