Teil eines Werkes 
Theil 1 (1830) Versuch einer Aesthetik der Tonkunst im Zusammenhange mit den übrigen schönen Künsten nach geschichtlicher Entwickelung / von Dr. Wilhelm Christian Müller Lehrer an der Hauptschule in Bremen
Entstehung
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Neunzehntes Kapitel.

Resultat einer ?nusikalisc7ien Aesthelilc. Voll­endung der Musik in der Oper und im In­strumental - Spiele. Eigentliümliclikeiten der grössten Komponisten neuester Zeit.

§. 111.

Zum endlichen Resultate ergibt sich das Reell­ste, Schönste, Höchste, Zweckmässigste aller musi­kalischen Schöpfungen vom einfachsten Tonspiele des Tanzes und des Volksliedes durch alle Arten der Gesäuge und der Instrumentalwerke bis zur kirchlichen Kantate, dem religiösen Oratorium und der Alles umfassenden weltlichen Oper.

Der Zweck aller ist Erheiterung, Ge- müthsbewegung, Beruhigung, Rührung, Anregung, Zerstreuung, Unterhaltung, Hei­lung, Bildung, Versittlichung, Erbauung, Beseeligung. Diese Zwecke können hauptsächlich durch die heutige Oper erreicht werden, weil sich in ihr auf diesem höchsten S tandpunkte der tönenden Muse alle schönen Künste, Wahrheit in der Poesie, romantische Geschichte und persönliche Charaktere, natürliche Empfindun­gen, edle und unedle Leidenschaften, dramatische Mimik und Plastik, malerische Scenerei und Archi- teklik, pantomimischer Tanz und Orchestik, Melo­die und künstlicher Vortrag singender Schauspieler, ausdrucksvolle Chöre der Sänger und kunstvolle Harmonie malender Instrumente, Erleuchlungskünste und täuschende Naturerscheinungen vereinigen, sie Ii wechseis weise unterstützen und zum Ganzen erheben.