Teil eines Werkes 
Theil 1 (1830) Versuch einer Aesthetik der Tonkunst im Zusammenhange mit den übrigen schönen Künsten nach geschichtlicher Entwickelung / von Dr. Wilhelm Christian Müller Lehrer an der Hauptschule in Bremen
Entstehung
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24.3

Fünfzehntes Kapitel.

Vollendung der Tonkunst in höchster Schönheit durch die grossten TonJciinsiler und die schön­sten Werke von Haydn, Mozart, Beethoven. Ihre Eigenthumliclikeiten.

§ 92.

Hundert Jahre bedurfte es, von Lully bis zu Piecini, um die Skale zu ihrer höchsten Höhe und tiefsten Tiefe, zur Vervielfältigung der Melo­dien auszudehnen, um den Begriif der Harmo­nie und der freien Modulation festzusetzen, um dem Rhythmus zu allen charakteristischen Bewe­gungen Freiheit zu geben, um den vorzüglichsten Instrumenten und allen Hülfsrnitteln Vollkommen­heit zu Verschaffen, um den Gesang als Darstel­lung des Gefühls mit Intelligenz anzusehen, mit Beibehaltung des freien Spiels der Melodien und der Modulationen, und die abgesonderte Instrumen­talmusik in einer eigenen freien Sphäre zu be­handeln.

Nach Händel und Bach konnten die Kom­ponisten erst eine ausgebreitete Empfindung unter dem Einflüsse italischer Tondichter in reicheren schönen Melodien und Harmonien ausbilden, in Sonaten, Sinfonien etc. zwei Melodien verknüpfen ja sogar eine in dur, die andere in moll und umgekehrt in veränderten Wiederholungen, in Zwischensätzen wechselnd, künstliche Fugen bil­dend wie in allen ihren Werken, in Jomelli's Passion, Sarti's Miserere, Naumann's Opern und Messen etc.

Nun konnte sich in der intelligenten Mittags-

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