Teil eines Werkes 
Theil 1 (1830) Versuch einer Aesthetik der Tonkunst im Zusammenhange mit den übrigen schönen Künsten nach geschichtlicher Entwickelung / von Dr. Wilhelm Christian Müller Lehrer an der Hauptschule in Bremen
Entstehung
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Dass Guido vom Erzbischofe von Bre­men nach Sachsen gerufen sei, dass er hier den Gesang beim Gottesdienste und die Schule ein­gerichtet, und an einen Freund geschrieben habe: die Sachsen haben Stimmen wie die Esel" wusste ich und dies war Wink genug für mich, von Rom über Arezzo nach Florenz zurück zu reisen.

Die reinliche Stadt liegt an einem Hügel mit angenehmer Landschaft umgeben. Ihre Mauern, welche die Franzosen im letzten Kriege mit 10,000 Belagerern erstürmt, lagen noch zum Tlieil in Trüm­mern. Die Stadt hatte sich nach tapferem Wider­stände erst ergeben, als 5ooo ihrer braven Bürger das Lehen verloren. Ein Tlieil der Trümmer ihrer Wohnungen war nun zum Spielplatze für Ballon- spiel junger Börger wie eine Arena für Zu­schauer eingerichtet, und ein anderer zu einem öffentlichen Spatziergange mit Akazien besetzt, in dessen Mitte die antike Statue des Mäcen mit der Unterschrift: MaecenatiAretino Cives 1819« Ausser diesem Minister des ersten Kaisers sind meh­rere gelehrte Genies in dieser Stadt geboren: um das Jahr 1000 unser weltberühmter Sangmeistejr, i5o4 Petrarca, i4g2 Pietro Aretino. Die­ser letzte war klassischer Dichter, wie sein \ 01- fahr, und einer der aufgeklärtesten Denker, dem die Päpste schmeichelten, ob er gleich ihrer un­trüglichen Lehre spottete. Noch findet man hier Spuwn republikanischer Gesinnungen. Ihre Schul - und Armenanslalten sind nach der Wiener Ein­richtung. Gebildete Männer näherten sich uns Frem­den überall freundlich, uns zu belehren und ohne Interesse gefällig zu sein.

Eben so willfährig waren die Canonici in der Kathedralkirrhe. Sie bewirkten beim Bischöfe die Erlaubniss, uns die innere Sakristei zu öffnen, worin