Zwölftes Kapitel.
Die Kolonien und die französische Revolution.
Die französische Revolution, die ganz Frankreich und den größten Teil Europas umgestaltet hat, ist, wie schon bemerkt, auch an den überseeischen Gebieten nicht spurlos vorübergegangen. Natürlich wurden die französischen Kolonien zuerst davon ergriffen. Das ganze geltende Kolonialsnstem stand ja im schroffen Gegensatze zu den neuen Anschauungen, die in Frankreich durchdrangen. Die Revolution proklamierte die Menschenrechte: das vertrug sich nicht mit der Sklaverei,- sie verlangte Gleichberechtigung aller religiösen Bekenntnisse: das negierte den Katholischen Charakter der französischen Kolonien- sie verkündete die Volkssouveränität und Beteiligung der Nation an der Regierung: dieser Grundsatz mutzte zur Kolonialen Selbstverwaltung führen und mit dem System der Ausbeutung zugunsten des Mutterlandes ein Ende machen. Über alle diese Fragen entbrannte in der Nationalversammlung ein heftiger Kampf ,- dieselben Elemente, die wir schon in der literarischen Diskussion Kennen gelernt haben — Pflanzer, Raufleute, Beamte und Philanthropen — Kamen auch hier zum Wort. Das Ende war, daß mit dem Siege der Revolution die radikalste Richtung durchdrang: die Sklaverei wurde in allen französischen Besitzungen abgeschafft, ja Gleichberechtigung zwischen Negern und Weißen eingeführt, und die Kolonien ungeachtet aller Verschiedenheiten denselben Gesetzen wie das Mutterland unterworfen (1794). Kber diese Gesetzgebung Konnte gar nicht mehr durchgeführt werden, da die Kolonien bereits durch die inneren Wirren des Mutterlandes angesteckt worden waren und der pariser Regierung den Gehorsam versagten. Zn der besten Besitzung, in Haiti, hatten sich die Weißen untereinander seit dem Beginn der Bewegung in Frankreich bekämpft, und diese Schwächung der Herren hatten die Sklaven zur Empörung benutzt. Unter der Führung eines herrschbegabten Afrikaners, Toussaint Louverture, erhoben sich die Schwarzen, vertrieben die meisten Weißen und richteten eine