Neuntes Kapitel.
England und Frankreich im Uamvs um die Vorherrschaft zur See.
Es war unvermeidlich, daß die beiden großen Kolonialmächte in Konflikt geraten mußten. In Nordamerika und in Westindien grenzten sie unmittelbar aneinander - in Ostindien und auf allen großen Handelsstraßen begegneten sich ihre Schiffe, in wichtigen Kolonialen Produkten wie Tabak und Zucker standen sie im erbitterten Wettbewerb, und die Vergangenheit lehrte, daß solche Gegensätze leicht zu großen Rümpfen führen Konnten. In der Tat haben die Kolonialen Fragen am Schluß des 17. Jahrhunderts in den Beziehungen zwischen England und Frankreich eine große Rolle gespielt. Es wäre eine starke Übertreibung, annehmen zu wollen, daß sie das ausschlaggebende Moment in den Verwicklungen jener Zeit gebildet hätten- der entscheidende Punkt in dem französisch- englischen Verhältnis war vielmehr ein Stück der europäischen Politik, die Absicht Frankreichs, die spanischen Niederlande, ungefähr das heutige Belgien, zu erobern. Mit den überseeischen Dingen steht allerdings diese Angelegenheit in engem Zusammenhange: Regierung und Nation fürchteten in England, daß Frankreich durch die Erwerbung der reichen, gewerbfleißigen belgischen Städte und des vortrefflichen Antwerpener Hafens sich maritim in jeder Beziehung so verstärken werde, daß es England auf allen Gebieten überflügeln, ja seine Sicherheit gefährden Könne. Wenn so die Kolonien nicht der Ausgangspunkt des großen Rampfes zwischen den beiden Hauptmächten der Welt waren, so war es doch selbstverständlich, daß der Rrieg sogleich in die fernen Weltteile übergriff- beide Gegner hatten ja dort viel zu verlieren und viel zu gewinnen.
Der Hauptschauplatz des Kolonialen Rampfes war beim ersten großen Zusammenstoße Nordamerika, hier bestand unter den englischen Ansiedlern der dringende Wunsch, mit der französischen Nachbarschaft ein Ende zu machen. Stets fühlten sie sich durch diese be-