Vorwort.
So jung das Problem der Kolonisation in Deutschland noch ist, so hat die gelehrte Tätigkeit, die ihrer Erforschung in Gegenwart und Vergangenheit gewidmet ist, doch bereits eine recht stattliche Literatur hervorgerufen. Historische Arbeiten insbesondere haben sich mit einzelnen Ereignissen und ganzen Perioden beschäftigt und zur Erweiterung und Vertiefung der Kenntnis überseeischer Fragen beigetragen. Wenn ich trotzdem wage, mit einer neuen Übersicht über die Kolonialgeschichte hervorzutreten, so bestimmt mich dazu die Überzeugung, die Kufgabe anders ausgefaßt zu haben als die meisten anderen Darsteller. Ich richte den Blick weniger auf die Geschichte der Kolonien als auf die der Kolonisation, der Kolonialpolitik des Mutterlandes. Wie das Mutterland aus seinen Überlieferungen und Interessen heraus die Kolonien geschaffen hat, so beeinflußt es sie auch weiter- von der Geschichte des Mutterlandes aus wird man daher die Geschichte der Kolonien am besten verstehen und in den Beziehungen zwischen Heimat und pflanzland die fruchtbaren Keime, die die Kolonisatorische Tätigkeit für das allgemeine menschliche Leben gelegt hat, am besten erkennen Können. Die Schilderung der territorialen Veränderungen in den Kolonien wird dagegen zurücktreten dürfen. Eine Erschöpfung des Gegenstandes im engen Rahmen ist unmöglich, ich habe mich nur bemüht, die großen festen Linien zu zeichnen, innerhalb deren die Kolonisationsgeschichte verlaufen ist, und die wichtigsten Ereignisse herauszuheben. Wenn schon hierdurch eine Begrenzung des Stoffs gegeben ist, so andererseits durch den Begriff „Kolonie", den ich mit den meisten modernen Theoretikern auffasse als Bruchteil einer Nation, der vom Hauptkörper räumlich getrennt ist, aber mit ihm