Siebentes Kapitel.
Englands Aufsteigen unter Tromwell.
Ein gewaltiges Kapital von Menschen, Geld und Fleiß war um die Mitte des 17. Jahrhunderts in den Kolonien investiert worden. Teilnahme am überseeischen Besitz und Handel galt allgemein als unzertrennlich von wirtschaftlicher und politischer Größe, daher suchten auch Staaten von geringen maritimen Traditionen und schwacher finanzieller Leistungsfähigkeit an dem Reichtum der neuen Welten teilzunehmen. So bildete sich in Dänemark wenig später als in England und den Niederlanden eine ostindische Kompagnie (1612), die freilich immer nur eine weit bescheidenere Rolle als ihre westlichen Schwestern gespielt, aber doch über anderthalb Jahrhunderte bestanden und mit Hilfe einiger Faktoreien an der Koro- mandelküste und im Gangesgebiet zeitweilig guten Verdienst gehabt hat. Geraume Zeit später erwarb eine dänisch-westindische Gesellschaft die Inseln St. Thoms (1671) und Ste. Troix (17ZZ),' eine schwedische Kompagnie errichtete am Delaware eine Knsiedlung (16Z4) und eine andere suchte vergeblich in Ostindien Fuß zu fassen. Die nordischen Staaten, die in dieser Zeit die Stellung einer Großmacht erstrebten und zeitweilig erreichten, wollten hinter den Westmächten auch in dieser Hinsicht nicht zurückstehen. Ihrem Beispiele folgten bald Staaten von noch geringerer politischer und wirtschaftlicher Macht: das Kleine Herzogtum Kurland suchte im 17. Jahrhundert wiederholt Besitzungen in Westindien und an der Elfenbeinküste zu erwerben, selbst der Inhaber eines ganz binnenländischen Zwergterritoriums, der Graf von hanau, dachte an die Errichtung einer deutschen Kolonie in Brasilien (1669). Für die Geschichte der Kolonisation bedeuten diese versuche sämtlich nichts, und für die Geschichte der unternehmenden Länder sind sie von geringem Werte, da sie bei der Schwäche des Mutterlandes und der Feindschaft der älteren Kolonialvölker sich nicht entwickeln Konnten. Die schwedische Rnsiedlung in Nordamerika, die von schwedi-