Zweites Kapitel.
Erschließung Amerikas durch die Spanier.
Auf ganz andere Wege wurde Portugals Nachbarreich, Spanien, das mittlerweile durch die Vereinigung Kastiliens und Arra- goniens gebildet worden war (1479), geführt, während die Portugiesen den Kampf gegen die Ungläubigen zur See begannen, führten ihn die Kastilier zu Lande fort und machten dem letzten Rest maurischer Herrschaft in Europa durch die Eroberung von Granada ein Ende (1492). Damit stand auch die spanische Nation vor der Frage, die die portugiesische schon seit einem Jahrhundert entschieden hatte, ob sie den Erbfeind auch jenseits des Meeres bekämpfen oder sich mit der Befreiung der iberischen Halbinsel begnügen solle. Dieselben Gründe wie in Portugal sprachen für die Fortsetzung des Kampfes, und die Königin Isa- bella, der die Ausbreitung des Christentums über alles ging, setzte in ihrem Testament ausdrücklich fest, daß man den Kampf gegen die Ungläubigen in Afrika nicht einstellen solle. Gleichzeitig Konnten die portugiesischen Fortschritte in der überseeischen Politik nicht ohne Wirkung bleiben. Klan sah, welchen Aufschwung Handel und Wohlstand im Nachbarlande infolge des afrikanischen Handels nahmen- es war natürlich, daß der Wunsch rege wurde, auch Spanien daran Anteil zu verschaffen. Noch hatten ja die Portugiesen Indien nicht erreicht, es war also nicht unmöglich, ihnen zuvorzukommen und in der Hebung der fernen Schätze wie in der Verbreitung des Christentums den Kang abzulaufen. Allerdings war es ausgeschlossen, das Ziel, Ostindien, auf demselben Wege zu suchen wie die Portugiesen,- ohne Zweifel hätten diese, gestützt auf ihre zahlreichen Befestigungen an der afrikanischen Küste, spanische Expeditionen mit Gewalt verhindert. Aber es fragte sich, ob der vom Prinzen Heinrich gewiesene Weg der einzige nach dem fernen Grient sei, und an diesem Punkte hat die gelehrte Spekulation entscheidend in die Entdeckungsfahrten und damit in die Weltgeschichte eingegriffen.