Fünftes Uapitel.
England und Übersee bis Tromwell.
Die Unternehmungen dieser drei Nationen hatten bei so mancher Verschiedenheit in Ursprung und Ausführung doch das gemeinsame, daß sie vorwiegend nach unmittelbarem Gewinn strebten, hinter der Ausbeutung der vorhandenen Schätze ließen sie die Schaffung neuer Erwerbsmöglichkeiten durch eigne produktive Arbeit in dem neuen Gebiete zurücktreten, und die systematische Ansiedlung zahlreicher Volksgenossen lag den Portugiesen und Niederländern ganz fern, bei den Spaniern spielte sie nur eine Nebenrolle. Einen Fortschritt in diesen Richtungen haben erst die Engländer gebracht.
An der Erforschung Afrikas und der westlichen Meere haben sich die Einwohner der britischen Inseln so wenig beteiligt wie ihre niederländischen Nachbarn, und gerade ihre Geschichte lehrt aufs deutlichste, daß wirtschaftliche Motive allein nicht ausreichten, um derartige Wagnisse hervorzurufen. Obgleich die Kaufleute Londons und Bristols bereits im lS. Jahrhundert beträchtlichen Handel nach dem Mittelmeere trieben und unter der Kommerziellen Übermacht der Venezianer litten, ist ihnen doch nicht der Gedanke gekommen, durch Aufsuchung der direkten Verbindung mit Indien einen entscheidenden Schlag gegen diese zu führen. Und dabei hat es nicht etwa an versuchen gefehlt, den ersten Tudor für ähnliche Pläne wie sie Kolumbus in Spanien und Portugal vortrug, zu gewinnen. Ein Bruder Christophs, Bartolomeo, entwickelte Heinrich VII. im Auftrage seines Bruders die Idee der Westfahrt (l488), aber der König wies sie als abenteuerlich ab. Erst als die Portugiesen die Südspitze Afrikas entdeckt hatten und Kolumbus von seiner ersten Fahrt heimgekehrt war, begannen die Engländer den fernen Gebieten ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden - jetzt war ja der Leweis erbracht, daß bei solchen Expeditionen Großes zu gewinnen war. Es bezeichnet die Zurückhaltung der englischen Nation, daß wie in Spanien ein Ausländer den ersten Entdeckerzug führte: Giovanni Tabotto, anscheinend ein Genueser, in England Cabot genannt. Immer noch