Jahrgang 
1 (1910) Beiträge zur Landeskunde von Neu-Mecklenburg und seinen Nachbarinseln / von Karl Sapper. Mit einem Beitr. von C. Lauterbach
Entstehung
Seite
110
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Das Bild einer trotz mancher Knicke entschie­den aufstrebenden Kurve ist im ganzen erfreulich, wenn auch die Entwicklung- ziemlich langsam er­folgt. Die Abtretung eines Teiles der Salomonen im Jahr 1899 drückt sich in dem Ausfuhrrückgang von 1900 deutlich aus. Der Handel vollzieht sich hauptsächlich mit Deutschland und Australien, wäh­rend die anderen Länder dagegen stark zurück­stehen, denn 1907 werteten die

die Einfuhr aus die Ausfuhr nach

Deutschland....... 729 397 M. 1 026 407 M.

Australien und Südsee . 236 474 M. 541 559 M -

Noch immer ist Kopra der wichtigste Ausfuhr­artikel ; im übrigen hat sich die Zusammensetzung der Ausfuhr und die Bedeutung einzelner Artikel im letzten Jahrzehnt wesentlich geändert. Es um­faßte die Ausfuhr

1898/99 1907

Kopra........ 726 400 M. 1 521 971 M. (4877 Tonnen)

Perlmutterschalen u. andere Muscheln . 7 500 62 961 ( 355 )

Schildpatt...... 5 760 31 174 ( 794 kg)

Teepang....... 120800 38293 (66V 2 Tonnen)

Steinnüsse...... 5 957 ( 31 )

Kaffee........ 5 542 (4710 kg)

Baumwolle ..... 72000 1 130 ,, (1130 ., )

Nach einem Privatbrief des Herrn B o 1 u - m i n s k i betrug die Kopra-Ausfuhr ans dem Bezirk Käwieng 1907 gegen 1500 t, wozu noch 200 bis 300 Pfund Schildpatt und unbedeutende Mengen von Trepang kamen; die Einfuhr betrug ungefähr 400 000 M. Für den Bezirk Namatanai oder die Neu-Lauenburg-Gruppe liegen mir keinerlei Mittei­lungen vor.

Die Baumwollkultur ist auf der Gazelle-Halb­insel zumeist als unrentabel aufgegeben worden (wie auch der Tabakbau auf Neu-Guinea), die Tre­pangausfuhr ist wegen der raubmäßigen Uber-

fischung der Bänke zurückgegangen. Dagegen hat die Kokospalmkultur einen großen Aufschwung ge­nommen, und da die Mehrzahl der Pflanzungen noch nicht im Ertrag ist, so ist eine sehr beträchtliche Steigerung der Kopra-Ausfuhr in Bälde mit Sicher­heit zu erwarten.

Die Anbaufläche maß im Bismarck-Archipel im Jahre 1898 für alle Kulturen gegen 2000 ha, im Jahr 1907 aber ungefähr das Sechsfache: 11 988 ha, von denen freilich nur 2392 ha im Ertrag waren. Das Hauptareal der Anbaufläche der Plantagen­kulturen nahmen seit Beginn der Plantagenkultur überhaupt stets Kokospalmpflanzungen ein. Im Jahre 1907 bedeckten diese 11 142 ha, wovon 2352 ha in Ertrag waren; die Kautschukpflanzungen bedeckten 753 ha (468 ha mit Ficus elastica, 51 mit Hevea Brasiliensis und 234 mit Castilloa elastica bepflanzt, Kakao- und Kaffeepflanzungen 39 bzw. 35 ha. In Simpsonhafen (Rabaul, Gazelle-Halbinsel) ist ein Versuchsgarten angelegt, der neuen Kulturen vorarbeiten soll, aber meines Erachtens nicht mit der nötigen Initiative vorgeht. Die Zahl der weißen Beamten betrug 1907 in den Pflanzungen und Ver­suchsgärten 86, die der farbigen Arbeiter 5962.

Uber die Anbaufläche auf Neu-Mecklenburg-

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und seinen Nebeninseln liegen mir leider keine An­gaben vor. Die Hauptfläche wird auch hier von Kokospalm - Pflanzungen eingenommen, während neuerdings (1908) auch eine Kautschukpflanzung im Namatanai-Distrikt angelegt worden ist.

Die Ausfuhr des Bismarck-Archipels beschränkt sich fast ganz auf Produkte der Agrikultur und Fischerei, und es ist auch in absehbarer Zeit kaum eine wesentliche Änderung darin zu erwarten, zum wenigsten nicht auf Neu-Mecklenburg und seinen Nebeninseln, die auf diesen Blättern allein nähere Berücksichtigung finden können.

Elfter Abschnitt: Die wirtschaftlichen Aussichten Neu-Mecklenburgs und seiner

Nebeninseln.

An Mine raischätzen ist Neu-Mecklen­burg, wie es scheint, sehr arm. Wertvolle Erze hat man bisher noch nirgends gefunden, und die Braun­kohlen, die am Tamul- und am Timai-Fluß bei Ta- haron in Süd-Neu-Mecklenburg in größeren Mengen vorkommen, sind wegen technischer Schwierigkeiten (vgl. S. 35) nicht abbauwürdig.

Die ausgedehnten W ä 1 d e r der Insel sind zwar reich an schönen Hölzern und sonstigen für den Lokalgebrauch wichtigen Materialien (Bau- und

Möbelholz verschiedener Art, Brennholz, Nipapalm- blätter als Dachdeckmaterial, Bambus für zahl­lose Verwendungen im Haushalt der Eingeborenen und auch Europäer, Rotang und andere Schling­gewächse, sowie Bast verschiedener Pflanzen als Bindematerial, Sago als Speise der Eingeborenen u. dergl. mehr), aber für den Export vermögen sie bei den herrschenden Verkehrsbedingungen zur Zeit noch nichts zu liefern. Auch in Zukunft dürfte von dieser Seite keine wesentliche Steigerung der