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Erster Absch
An dem Aufbau Neu-Mecklenburgs, Neu-Han- novers und ihrer Nebeninseln beteiligen sich sowohl sedimentäre und organogene Formationen, als auch eruptive Gesteine.
I. Sedimentäre und organogene Formationen.
Die älteste sedimentäre Formation, die im Gebiete vorzukommen scheint, ist die Gneis- Formation. Wohl ist von ihr bisher erst ein einzelnes Gerolle (an der Nordostküste Süd-Neu-Mecklen- burgs) gefunden worden; aber da die Wahrscheinlichkeit einer Einschleppung sehr gering ist (vgl. oben S. 33), so erscheint es mir doch angezeigt, das Vorkommen von Urgebirge im Innern von Süd-Neu- Mecklenburg anzunehmen. Wenn es wirklich vorhanden ist, so ist es wohl nur von wenigen tief eingerissenen Flußtälern angeschnitten worden. Es erscheint mir nicht ausgeschlossen, daß es im Flußgebiet des Daulun anstehend getroffen werden könnte; auch halte ich es für möglich, daß die großen Flüsse der Ostküste Süd-Neu-Mecklenburgs Danfü, Jas und Weiting Gneis angeschnitten hätten und Gerölle davon führten. Leider habe ich die ersten beiden nicht berührt und von den Gerollen des letzteren, den ich nahe der Mündung überschritten habe, keinen richtigen Begriff bekommen können, da der Fluß hier in der Hauptsache Schlamm mit sich führte.
Von paläozoischen oder mesozoischen Sedimenten ist bisher keine Spur gefunden worden. Dagegen ist das Tertiär offenbar ziemlich stark entwickelt. Unsere Kenntnis der Lagerungsverhältnisse, der paläontologischen Einschlüsse und des Vorkommens ist aber noch so ungenügend, daß eine Gliederung und eine richtige Einschätzung der Bedeutung der einzelnen Glieder noch nicht möglich ist.
Die ältesten bekannten Tertiärsedimente Neu- Mecklenburgs sind Kalksteine und glaukonitische Sandsteine mit N u m m u 1 i t e n , die bisher anstehend noch nicht gefunden worden sind, aber in den Gerollen einiger Flüsse der Westküste Süd-Neu-Mecklenburgs vorkommen. Besonders reich an derartigen Gerollen ist der Kaitfluß, weshalb ich diese Schichten auch vorläufig als K a i t s c h i c h t e n benennen will. Diese Gerölle führen neben Nummuliten auch Lithothamnien nach Dr. Schuberts Bestimmung; Dr. Sch u b e r t glaubt sie zum Unter-Oligocän rechnen zu dürfen. Wo sie anstehen und wie weit sie sich
litt: Geologie.
ausbreiten, ist zur Zeit noch nicht bekannt; so viel aber steht fest, daß sie an der Westabdachung des Hauptgebirges Süd-Neu-Mecklenburgs im Oberlauf des Kait und Tengar vorkommen müssen ; die große Zahl der betreffenden Gerölle im Kaitfluß läßt auch darauf schließen, daß sie dort eine ziemlich große Ausdehnung einnehmen dürften.
Vielleicht gleichalterig (O 1 i g o c ä n) oder sogar noch älter (Lutetien, M i 11 e 1 e o c ä n) sind nach Dr. Schubert Kalksteine mit N u 111 - m u 1 i t i d e n , Orbitoliten und A 1 v e o - 1 i n e n , die im äußersten Süden Süd-Neu-Mecklenburgs am Bach Komaspirim gefunden worden sind. In der ganzen Umgebung dieses Fundortes stehen Kalksteine an, leider, soweit ich sehen konnte, sonst längs meines Weges ohne Versteinerungen, wenn man von dem weiter unten zu erwähnenden Funde bei Lagaiken absieht. Es erscheint mir aber sehr wohl möglich, daß auch diese Kalksteine der Umgebung gleichen Alters sein könnten, weshalb ich auf der geologischen Karte dieselben auch entsprechend ausgezeichnet habe.
Bei Lagaiken unfern dem obigen Fundort am Komaspirim habe ich auch weiße K a 1 k s t e i n e vom Anstehenden gesammelt, die O p e r c u 1 i n e n und kleine Nu m m u 1 i t e n enthalten. Leider geben dieselben nach Dr. Schubert keine Anhaltspunkte für Altersbestimmung. Ich habe sie aber wegen ihrer räumlichen Nachbarschaft mit den vorstehenden auch vorläufig als gleichaltrig eingezeichnet. Auch habe ich beide Schichtenkomplexe vorläufig unter der gemeinsamen Bezeichnung La gaikenschichten zusammengefaßt.
Ähnliche Kalke, ebenfalls unbestimmbaren Alters, habe ich aus dem Huru-Fluß und aus dessen Ursprungsgebiet gesammelt, während in der Nachbarschaft dieser Vorkommen auf der anderen Abdachung desselben Gebirgskamms oberhalb des Surker-Flusses ein L e p i d o c y c 1 i n e n k a 1 k ansteht, der nach Dr. Schubert möglicherweise dem Miocän (Burdigalien) angehört. Auch in die sem Falle habe ich annehmen zu dürfen geglaubt, daß der räumlichen auch die zeitliche Nachbarschaft entspreche und habe demgemäß die Kalksteine des ganzen angedeuteten Gebiets auf der Karte als Miocän eingezeichnet. Die betreffenden Schichten mögen vorläufig als Surkerschic hten bezeichnet werden. Hoffentlich gestattet spätere eingehende Untersuchung der paläontologischen Einschlüsse eine sichere Altersbestimmung.