Jahrgang 
1 (1910) Beiträge zur Landeskunde von Neu-Mecklenburg und seinen Nachbarinseln / von Karl Sapper. Mit einem Beitr. von C. Lauterbach
Entstehung
Seite
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3. Die Konstruktion der pflanzen­geographischen Karte.

Da weder F r i e d e r i c i noch ich genauere botanische Vorkenntnisse besitzen, und da wir außerdem auch keine Zeit zum Anlegen floristischer Sammlungen hatten, so mußten wir uns begnügen, während unserer Wanderungen die Ausdehnung der auffälligsten Vegetationsformationen festzu­stellen. Die betreffenden Materialien sind zum größten Teil schon im vorhergehenden Abschnitt (Konstruktion der geologischen Karte) mitgeteilt. Die kartographische Fixierung mußte aber etwas schematisch gehalten werden, da der Maßstab der Ubersichtskarte eine haarscharfe Eintragung nicht zuläßt; namentlich kleinere Grasflecken würden auf der Karte gar nicht mehr zum Ausdruck gekommen sein, wenn sie nicht ein wenig vergrößert eingetragen worden wären. Dazu kommt, daß die Strandvege­tation wegen ihrer Schmalheit auf den größeren In­seln nicht eingetragen werden konnte, und daß ich mehrfach zweifelhaft sein mußte, ob gewisse mäßig hohe Korallenkalkinseln, wie z. B. Neu-Lauenburg, noch mit der Farbe der Vegetation niedriger Ko­

ralleninseln ausgezeichnet werden sollte oder mit der Farbe des regenfeuchten Tropenwaldes. Eine sichere Entscheidung wird in solchen Fragen nur der Botaniker von Fach an Ort und Stelle oder an der Hand reichlicher Aufsammlungen geben können. Auf der Karte habe ich unterschieden :

1. Regenfeuchte Tropenwälder, einschließlich der Sumpfwälder.

2. Grasfluren, Grasfluren mit zahlreichen ein­gestreuten Büschen, Bäumen und Baumgruppen (Baumsavannen) und den Buschwald des Tief­landes, der auf alten Rodungen aufsprießt.

3. Den krüppelhaften niedrigen Wald der hö­heren Gebirgsregionen Süd-Neu-Mecklenburgs.

4. Die Strandvegetation und Vegetation der niederen Koralleninseln.

5. Mangrovegehölz.

6. Gebiete, wo Grasfluren und Waldstreifen und -flecken miteinander häufig abwechseln. Auf einer Ubersichtskarte konnte nur schematisch diese gegenseitige Durchwirkung angedeutet werden.

7. Gebiete, in denen Kulturflächen und alte Lichtungen eine nennenswerte Ausdehnung er­reichen.

Zweiter Teil.

Beiträge zu einer Landeskunde von Neu-Mecklenburg

und seinen Nachbarinseln.

Die Darlegungen des ersten Teils haben zur Genüge gezeigt, wie lückenhaft und ungleichmäßig unsere Kenntnisse von Neu-Mecklenburg und seinen Nachbarinseln noch sind. Infolgedessen ist es auch klar, daß es zur Zeit noch nicht möglich ist, eine eingehende Landeskunde des Gebietes zu schreiben, vielmehr werde ich mich damit begnügen müssen, Beiträge zu einer solchen zu geben und den Ver­such zu machen, in groben Zügen eine Skizze von Neu-Mecklenburg und den benachbarten Inseln zu entwerfen. Späteren Untersuchungen und Beob­achtungen muß es vorbehalten bleiben, diese Skizze weiter auszuführen und in einzelnen Teilen zu be­richtigen und zu ergänzen.

Naturgemäß wird zunächst der geologischen Formationen gedacht werden müssen, denn sie haben die vorhandenen Landgebilde erst geschaffen; dann aber sei der geographischen Lage und des Klimas gedacht, denn sie spielen bei gegebenen geo­logischen Vorbedingungen für die Ausbildung der anorganischen und organischen Verhältnisse eines

Landes eine entscheidende Rolle. Weiterhin sollen Orographie und Hydrographie, Böden und Vege­tationsformationen 1 ) des Gebietes behandelt wer­den, soweit unsere gegenwärtige Kenntnis dies über­haupt gestattet, und schließlich soll der Mensch und seine wirtschaftliche Tätigkeit berücksichtigt wer­den. Da der ethnologische Bericht von Hauptmann a. D. Dr. G. Friederici noch aussteht, so wird in diesem Abschnitt, soweit er auf die Eingeborenen Bezug nimmt, nur von den allgemeinen Lebens- und Produktionsverhältnissen ohne irgendwelche Rück­sicht auf ethnologische und sprachliche Verschie­denheiten der einzelnen Stämme die Rede sein. Be­züglich der Darlegungen über die Eingeborenen- Verhältnisse habe ich mich aber nach Fertigstel­lung dieses Berichts noch mit Friederici be­sprechen können und mich mit ihm in den wenigen Fällen, wo wir zunächst nicht schon im voraus völlig übereinstimmten, noch nachträglich geeinigt.

*) Diesen Abschnitt hat liebenswürdiger Weise Herr D. C. Lauterbach für den Bericht geschrieben.