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Dritter Abschnitt:
Die hohe gleichmäßige Wärme und der gleichfalls ziemlich hohe Regenfall sind, namentlich in Verbindung mit der üppigen Pflanzenwelt, einer raschen und tiefgreifenden chemischen Zersetzung bzw. Auflösung der anstehenden Gesteine sehr günstig. Gebiete mit ausgesprochener Trockenzeit, starken Temperaturschwankungen oder gar Frost gibt es auf Neu-Mecklenburg und seinen Nachbarinseln nicht, und darum fehlen auch Gebiete mit vorwiegend mechanischer Zertrümmerung des verwitternden Gesteins. Wohl sind an den Küsten sowohl wie auch stellenweise im Gebirge größere oder kleinere kahle Felsflächen der unmittelbaren Sonnenbestrahlung ausgesetzt, und es erwärmen sich diese Flächen an klaren oder wenig bedeckten Tagen oft sehr beträchtlich, um bei Nacht wieder sich erheblich abzukühlen, aber die Temperaturgegensätze sind doch nicht stark genug, um ein Abspringen oberflächlicher Gesteinssplitter und -lagen in größerem Maßstabe zu veranlassen. Die mechanische Verwitterung hat also in unserem Gebiet kein weites Arbeitsfeld.
Um so intensiver arbeitet aber die chemische Verwitterung, und fast überall, wo Eruptivgesteine anstehen, sind dieselben tief hinein mehr oder weniger stark zersetzt und in den äußeren Lagen in einen frischen roten Boden umgewandelt, der an der Oberfläche durch beigemengte kleinere oder größere Mengen von Humus braun oder selbst schwarz gefärbt ist.
Diese Eluvialböden, die man wohl als Roterden, vielleicht als frische Laterite, bezeichnen darf, besitzen eine weite Verbreitung; man darf wohl annehmen, daß sie überall vorkommen, wo eruptive Gesteine anstehen; ihre Verbreitung wäre also auf der geologischen Karte ungefähr ersichtlich. Sichere Angaben vermag ich aber nicht zu machen, da ich nur in ganz vereinzelten Fällen mit dem Erdbohrer Proben aus Tiefen von 1/% oder i m heraufholen konnte, sonst aber auf zufällige Aufschlüsse angewiesen war, wie sie zuweilen das Wurzelwerk umgefallener Urwaldbäume oder Rutschungen an Bachrissen schafften.
Die Tuffe der Rätamanschienten bestehen aus denselben Gesteinselementen, wie die Andesite, die
*) Da die wenigen Bodenproben, die ich auf meiner Reise gesammelt habe, die aber leider nur zum Teil den Transport gut überstanden haben, noch nicht untersucht sind, so muß ich mich hier mit einigen wenigen Andeutungen begnügen.
Die Bodenarten. 1 )
so weite Flächen einnehmen; es ist also zu erwarten, daß aus ihrer Verwitterung ähnliche Böden entstehen, wie aus den Andesiten selbst; doch habe ich bei meinen eiligen Märschen durch diese Gebiete nirgends einen geeigneten Aufschluß beobachtet; es schien mir übrigens, als ob die Tuffe vielfach nur mechanisch zerfallen wären und zersetzte Bestandteile neben unzersetzten zu dem aus ihnen entstehenden Boden beitrügen.
Die Kalksteine, die auf Neu-Mecklenburg eine so große Verbreitung besitzen, verwittern nicht, sondern unterliegen der Lösung, die bei der Reichlichkeit des Regenfalls und der relativ hohen Temperatur des kohlensäurehaltigen Wassers verhältnismäßig rasch arbeiten kann, sowohl an der Oberfläche als auch unterirdisch in Klüften und Höhlen. Die tonigen Verunreinigungen des gelösten Kalksteins bleiben an der Oberfläche liegen und reichern sich hier an, soweit sie nicht vom spülenden Wasser, zum Teil auch wohl Winden, in Vertiefungen des Geländes, sei es kleinen Löchern oder weiträumigen Dolinen, zu mächtigen Bodenmassen angereichert werden. So sind diese Residualtonböden sehr ungleichmäßig" über das Gelände zerstreut; bald sind sie sehr seicht oder fehlen stellenweise ganz, so daß selbst im regenfeuchten Urwald kable Kalkrippen und -blocke zutage treten, bald sind sie — in den Vertiefungen — in ziemlicher Mächtigkeit vorhanden. Die Mächtigkeit dieser Böden würde noch größeren Schwankungen unterliegen, wenn dieselben nicht da, wo sie ständig in feuchtem Zustand sind, der Abschwemmung vermöge ihres zähen Zusammenhalts einen starken Widerstand entgegensetzen würden. Die Farbe der 1 e h m igen Residualböden ist gelb bis braun; sie geht aber in den obersten, dünnen Lagen durch Humusbeimischung bis ins Schwärzliche über. Wo diese Residualböden der unmittelbaren Sonnenbestrahlung ausgesetzt sind, wie in den Grasfluren von Nokon oder Diligri vielfach, da können sie, genau so wie entsprechende Böden Mittel-Amerikas, eine rote Färbung annehmen, die freilich nicht tief hinabreicht, sondern an die oberflächlichen Lagen gebunden ist.
Die Residualtonböden werden häufig von den Eingeborenen für Taropflanzungen sowie zuweilen von Europäern für Kokospalmplantagen verwendet. Da die entsprechenden Böden Mittel-Amerikas stark ausgelaugt sind, namentlich arm an Kalk, Kali und Phosphorsäurc zu sein pflegen, so fürchte ich, es könnte bei den Residualböden Neu-Mecklenburgs