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Vierter Abschnitt: Die V
Von Dr. C. L
Die Pflanzenwelt des Gebietes ist im allgemeinen noch wenig erforscht. Außer den flüchtigen Besuchen der Astrolabe unter Dumont d'Ur- v i 11 e und des Sulphur unter B e 1 c h e r war es hauptsächlich die Expedition der Gazelle, welche durch die von dem Arzt Dr. Naumann 1 ) angelegten botanischen Sammlungen die ersten Aufschlüsse über die Vegetation brachte. Von Engler 2 ) wurden diese Sammlungen für das Gazelle- Werk bearbeitet. Nach der Besitzergreifung durch Deutschland wurde unsere Kenntnis besonders durch die Sammlungen und Forschungen von War- b u r g , 3 ) Lauterbach und Schuma n n 4 ) erweitert, welch letztere alles bisher Bekannte in ihrem Werk zusammenfaßten. Von der Gazelle- Halbinsel, besonders der Umgebung der Blanche- Bai, brachte Dahl eine reichhaltige Sammlung zusammen, welche Schumann 5 ) veröffentlichte.
Genauere Aufschlüsse über die Flora Neu- Mecklenburgs erhielten wir erst durch die Reise Schlechters im Jahre 1902, welche von der Nordwestspitze an der Nordküste entlang bis etwa zur Mitte der Insel und durch das Gebirgsland von Punam bei etwa 600 m Höhe zur gegenüberliegenden Küste führte. Die Sammlung, welche besonders an Orchideen reich ist, wurde in den Nachträgen zur Flora der deutschen Schutzgebiete in der Südsee 1905 veröffentlicht. Neuerdings hat der Missionar P ak e 1 begonnen, die Umgebung seines Wohnsitzes Namatanai botanisch zu erforschen. Die erste, hier eingetroffene Sendung, welche vorwiegend sekundäre Formationen umfaßt, ist durch genaue Standorts- und sonstige Angaben für das Gebiet von hohem Wert, so daß zu hoffen ist, daß durch diesen Forscher unsere Kenntnis der Vegetation Neu- Mecklenburgs noch große Bereicherung erfährt. In pflanzengeographischer Beziehung schließen sich die Inseln des Bismarck-Archipels eng an Kaiser- Wilhelmsland an und zeigen mit diesem die größte
: ) Naumann, Über den Vegetationscharakter der Inseln des Neu-Britannischen Archipels und der Insel Bougainville in Englers botanischen Jahrbüchern. VI, 422 bis 426.
2 ) Engler in Forschungsreise S. M. S. „Gazelle". IV, S. 8 bis 12.
3 ) Warburg, O., Beiträge zur Kenntnis der papuanischen Flora in Englers botanischen Jahrbüchern. XIII, S. 230 bis 450.
4 ) Schumann-Lauterbach, Flora der deutschen Schutzgebiete in der Südsee. 1901.
5 ) Schumann, K., Die Flora von Neu-Pommern in Notizbl. d. Kgl. bot. Gart. Berlin 1898. II, S. 59 bis 158.
egetationsformationen.
.uterbach.
Verwandtschaft zu der Pflanzenwelt des tropischen Ost-Asiens, besonders des Malaiischen Archipels. Eine Abgrenzung in kleinere Bezirke ist bei dem derzeitigen äußerst mangelhaften Stand unserer Kenntnisse nicht ausführbar. Dagegen ist zu vermuten, daß eine genaue Durchforschung, welche allerdings erfolgen müßte, ehe durch die Kultur die ursprüngliche Pflanzenwelt vernichtet ist, namentlich auf den einzeln liegenden, höheren Inseln wichtige Aufschlüsse über deren relatives Alter und Zu sammenhang liefert.
Unser Gebiet dürfte ursprünglich fast vollständig von Wald bedeckt gewesen sein, einer Formation, welche auch heute noch den überwiegend größten Teil einnimmt, soweit nicht der Mensch durch seine Kulturen zerstörend wirkt oder eine Bedeckung mit vulkanischer Asche zeitweise das Pflanzenleben vernichtet.
Von einer schmalen Strandzone abgesehen, erstreckt sich dieser primäre W ald von der Ebene bis hinauf auf den Kamm der Gebirge, in seiner Zusammensetzung äußerst mannigfaltig und je nach Bodenfeuchtigkeit und Meereshöhe wechselnd. Besonders in den Flußtälern zeigt er üppigste Entwicklung. Hervorzuheben sind die äußerst zahlreichen Ficus-Arten, bald mit glattem, weißrindigem, hoch hinauf astfreiem Stamm, bald auf einem ausgedehnten Gewirr von wieder zu Stämmen gewordenen Luftwurzeln ruhend. In den Tälern des Warangoi und Karo auf Neu-Pommern finden sich ausgedehnte Bestände des ein gutes Nutzholz liefernden Eucalyptus Nadiniana 1 ) in zum Teil riesigen Exemplaren. Durch ihre Früchte nutzbar sind Artocarpus incisa, Pometia primata, Aleurites moluccana, Pangium edule, verschiedene Cana- rium-Arten, Jambosa, Myristica und Terminalia. Strauch- und niedriger Baumwuchs wird gebildet von Blumea, Mussaenda frondosa mit ihren auffälli gen weißen Hochblättern, Araliaceen, Melastoma und Eugenia-Arten, Pipturus incanus sowie einigen Baumfarnen, Alsophila- und Cyathea-Arten, welche besonders in den Schluchten des Gebirges in üppigster Entfaltung prangen. Lianen aus den Gattungen Mucuna, Piper, Flagellaria und vor allem Ca- lamus klettern bis hoch in die Baumkronen, während Wurzelklimmer aus der Familie der Araceen
!) In Neu-Mecklenburg bisher noch nicht nachgewiesen. Sapper.