Jahrgang 
1 (1910) Beiträge zur Landeskunde von Neu-Mecklenburg und seinen Nachbarinseln / von Karl Sapper. Mit einem Beitr. von C. Lauterbach
Entstehung
Seite
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Trockenzeit bedingt, und darum verwelkt auch hier das Gras nie völlig-, das Wachstum dauert stetig fort, und damit ist auch dem Wind wie dem Wasser nie volle Gewalt über den Boden gegeben, also auch

die Gesamtwirkung verhältnismäßig eingeschränkt im Gegensatz zu anderen tropischen Savannengebie­ten mit stark ausgeprägter Trockenzeit.

Siebenter Abschnitt: Der Einfluß des Alters und der Engräumigkeit auf die Ober- flächengestaltung Neu-Mecklenburgs und seiner Nebeninseln.

weise den Gebirgskamm wesentlich zu erniedrigen und so die unruhige Profillinie zu erzeugen, die der Beschauer z. B. von Herbertshöhe aus erblickt. Im Rossel-Gebirge scheinen aber die beiderseitigen Flüsse nirgends imstande gewesen zu sein, den Ge­birgskamm wesentlich zu erniedrigen, weil sie wohl erst wesentlich kürzere Zeit ihrer Erosionstätigkeit obliegen konnten. Dazu kommt, daß möglicher­weise das höhere Gebirge Süd-Neu-Mecklenburgs lange Zeit schon über den Meeresspiegel hervor­geragt haben kann, während der übrige Teil un­seres Gebietes noch tief versunken war, und daß daher an der süd-neu-mecklenburgischen Insel die Erosion bedeutende Fortschritte machen konnte, in­des die übrigen Teile des Gebiets im Gegenteil noch neue Sedimente oder Korallenaufbauten erhielten.

Auch Neu-Hannover zeigt verhältnismäßig reife Talformen, so daß auch hier die Annahme län­gerer Erosions- und Denudationswirkungen berech­tigt ist. Mit Annahme höheren Alters für die For­men Neu-Hannovers muß aber nicht zugleich die Annahme verbunden werden, daß Neu-Hannover an den großen Senkungen des Gesamtgebiets etwa nicht teilgenommen hätte; es ist vielmehr trotz der ge­ringen und mit den übrigen Teilen wenig überein­stimmenden Entwicklung von Terrassen wahr­scheinlich, daß Neu-Hannover ebenso lange und ebenso tief unterm Meeresspiegel versunken war wie West-Neu-Mecklenburg, daß aber seine vor­herigen Tal- und Bergformen sich bald wieder durch­gesetzt hatten, weil es weniger Sedimente erhalten hatte, als die östlichen Gebietsteile und namentlich während einer langen Zeitdauer von Korallenbauten verschont geblieben ist. Warum sich die Korallen hier lange nicht angesiedelt haben, das ist eine Frage, die ich freilich nicht beantworten kann; die Verbreitung der Korallenriffe längs der Küste hat für den Reisenden geradezu etwas Kapriziöses: bald sind sie stark entwickelt, bald fehlen sie auf längerer Strecke ganz, obgleich oft nicht zu erkennen ist, warum sie gerade an diesen Stellen keine Wachs­tumsbedingungen gefunden haben sollten.

Obgleich die Betrachtung der Einwirkung des Klimas und der Vegetationsformationen einzelne Eigenheiten der Oberflächengestaltung Neu-Meck­lenburgs und seiner Nebeninseln verständlich ge­macht haben dürfte, so vor allem die ziemlich gleich­bleibende steile Böschung der Gehänge im Gebiete der zersetzlichen Gesteine, so bleiben doch noch manche Eigenheiten der Oberflächengestaltung un­erklärt, namentlich der merkwürdige Gegensatz in der Konturzeichnung des westlichen Hauptgebirges Süd-Neu-Mecklenburgs und des Rossel-Gebirges im mittleren Neu-Mecklenburg, sowie die außerordent­lich geringe Entwicklung der Küstenebenen. Bei dem geringen Grad unserer Kenntnis des Gebietes ist es leider noch nicht möglich, die tatsächlichen topographischen Verhältnisse genau zu beschreiben und eine eingehend begründete Erklärung zu geben. Es sind eben bisher die Probleme erst andeutungs­weise erkannt, und ich vermag auch nur Andeutun­gen einer Antwort zu geben.

Der erwähnte auffällige Gegensatz in den Kon­turlinien des Rossel- und des Hahl-Gebirges be­steht darin, daß die erstere in der Hauptsache ziem­lich einförmig verläuft, während vom Hauptgebirge Süd-Neu-Mecklenburgs von weitem ein sehr un­ruhiges Auf- und Niedersteigen der Profillinie er­kannt wird. Leider habe ich das Rossel-Gebirge nur an drei Stellen, das Hahl-Gebirge nur an einer Stelle überschritten und bin daher über die Verhält­nisse keineswegs hinreichend unterrichtet, umso- weniger, als mir sehr häufig Wolken die Aussicht verhüllten, wenn ich an Punkten war, die einen guten Einblick zu gestatten geeignet gewesen wären. Es scheint mir aber, daß der erwähnte Ge­gensatz zwischen beiden Gebirgen in der Haupt­sache ein Altersunterschied wäre. Die verhältnis­mäßig tief eingeschnittenen und zum Teil auch wohl­ausgebildeten Täler (z. B. Weiting, Jau) scheinen mir darauf hinzuweisen, daß die Erosion hier sehr lange hätte wirksam sein müssen, und daß sie es vermocht haben dürfte, durch Rückwärtseinschnei­den der Wasserläufe von beiden Seiten her stellen-