Jahrgang 
1 (1910) Beiträge zur Landeskunde von Neu-Mecklenburg und seinen Nachbarinseln / von Karl Sapper. Mit einem Beitr. von C. Lauterbach
Entstehung
Seite
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Die submarinen Ablagerungen an der Außen­seite der Riffe in 20 bis 100 Faden waren stets zu­sammengesetzt aus Riffstücken., den Schalen zweier Foraminiferen - Arten (Orbitolides), Stücken einer Kalkalge und Nulliporen.

G u p p y entwickelte nach seinen vielfachen Beobachtungen folgende Theorie der Wallriffbil­dung:Am Rand einer Insel setzt sich ein Saum­riff an; am üppigsten ist das Korallen Wachstum an dem Steilhang des Saumriffs nach außen hin unter­halb 5 Faden Tiefe; an der Basis dieser Steilhangs (in 12 bis 18 Faden Tiefe) sammelt sich Detritus, Sand an. Ist der Abfall an dieser Stelle flach, so ist die Sandzone schmal, und Riffkorallen wachsen außerhalb derselben wieder empor und bilden ein Wallriff. Wenn aber der Hang steil ist, so bildet sich kein Wallriff. Treten neue Hebungen ein, so kommen immer neue Streifen unterhalb des Sand­gürtels des Wallriffs in die Korallenwachstums­zone, und es entstehen so parallele Reihen von Wall­riffen mit Lagunen dazwischen, die von Detritus,

ästigen Korallen, Mangroven zugefüllt werden. Bei langsamem Ansteigen des Landes entstehen so pa­rallele Korallenkalkrücken."

Solche parallele Korallenkalkrücken, allerdings nur in Zweizahl, der innere Rücken höher als der äußere, eine lagunenmuldenähnliche Vertiefung zwischen beiden, finden sich bei Umbugl auf der Westhalbinsel Neu-Hannovers. Ob die zahlreichen ungefähr parallelen Kämme auf dem breiten Rücken des Schleinitz-Gebirges, z. B. zwischen Panaras und Taudes, vielleicht teilweise ebenfalls in erwähnter Weise primär angelegt gewesen sind, vermag ich nicht zu entscheiden.

Die gehobenen Korallenriffe der Salomonen sind nach G u p p y selten über 30 bis 50 m mäch­tig; auf Neu-Mecklenburg aber müssen sie nach meinen früheren Ausführungen weithin viel mäch­tiger sein, weshalb ich zu der Annahme zeitweiser langsamer Senkung gezwungen bin, obgleich G u p - p y glaubt, daß Korallen stellenweise in größerer Tiefe als 50 Faden zu bauen beginnen.

Sechster Abschnitt: Der Einfluß des Klimas und der Vegetationsformationen auf

die Oberflächengestaltung des Geländes.

lenburg niemals von Frost heimgesucht werden, ein sehr wirksames Agens mechanischer Verwitterung also fehlt; zudem zeigt die sehr häufige Verhüllung der höheren Gebirgsregionen, wie die dort auftre­tenden mächtigen Moospolster, daß dort oben sehr häufig und lange Nebel herrschen müssen, also im allgemeinen auch die täglichen Temperaturschwan­kungen meist gering sein werden. Die Herabsetzung der Verwitterung in den höheren Gebirgsregionen, wo auch die Vegetation im allgemeinen geringere Wachstumsenergie zeigt und die Tätigkeit der Bak­terien ebenfalls wesentlich geringer sein dürfte als im warmen Tiefland, darf als ein wichtiges Moment für lange Erhaltung gerade der höheren Erhebun­gen angesehen werden: da die Verwitterung lang­sam arbeitet, werden diese Höhen auch langsamer abgetragen werden als in den tieferen Regionen, wo die Verwitterung sehr energisch ist, und es ist durch diese Gegensätze die Möglichkeit der Erhaltung bedeutender Höhen selbst auf engem Räume und damit die Ent­wicklung sehr steiler mittlerer Böschungen gegeben, wie wir ihnen in der Tat sehr häufig in den Tropen begegnen.

Nun hängt aber die Erhaltung der Erhebungen

Es ist schon oben des Einflusses des Klimas und der Pflanzenwelt auf die Verwitterung der an­stehenden Gesteine und auf die Bodenbildung ge­dacht worden; hier aber muß noch näher auf die Wirkungen beider Elemente auf die Gestaltung der Oberflächenformen des Gebietes eingegangen wer­den, als bereits oben andeutungsweise geschehen war.

Es ist kein Zweifel, daß die chemische Ver­witterung (bzw. bei nicht verwitterungsfähigen Ge­steinen, wie Kalkstein, die Lösung) am energisch­sten ist, wo Regenfall und Wärme am höchsten sind. Nun sind aber offenbar diese beiden Optima auf Neu-Mecklenburg wohl nirgends gleichzeitig vor­handen, vielmehr fällt das Maximum des Regenfalls in zur Zeit noch nicht näher bekannten höheren, also kühleren Gebirgsregionen, das Optimum der Wärme ist dagegen im regenärmeren Tiefland vor­handen. In den höchsten Gebirgsregio- n e n fallen wahrscheinlich nur mäßige Nieder­schläge, während zugleich kühle Temperaturen herrschen. Es muß also erwartet werden, daß hier die Verwitterung am langsamsten arbeitet, umso- mehr deshalb, weil auch voraussichtlich selbst die höchsten Gipfel des Gebirges von Süd-Neu-Meck-