Jahrgang 
1 (1910) Beiträge zur Landeskunde von Neu-Mecklenburg und seinen Nachbarinseln / von Karl Sapper. Mit einem Beitr. von C. Lauterbach
Entstehung
Seite
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Lagenänderungen nicht bestreiten. In der Tat | scheinen, wenigstens in Süd-Neu-Mecklenburg, recht bedeutende Erdbeben vorzukommen, und ich habe gehört, daß Herr Stationschef Wostrak von Namatanai dort ein Erdbeben miterlebte, bei dem sich ansehnliche Spalten im Boden öffneten, die sich nach dem Beben wieder schlössen. Da Herr Wostrak zufällig im Begriff stand, zu photo- graphiercn, und die Geistesgegenwart besaß, wäh­rend" des Bebens den Apparat in Tätigkeit zu setzen, so sind diese vorübergehenden Spalten im Bilde er­halten geblieben. Leider gelang es mir micht, von Herrn Wostra k eine Photographie oder eine Be­stätigung der hier mitgeteilten Nachricht zu er­halten.

Systematische Erdbebenbeobachtungen fehlen auf Neu-Mecklenburg noch vollständig. Nur die Beobachter der wenigen meteorologischen Statio­nen haben das Vorkommen der auffälligeren notiert, und es zeigte sich aus den nur drei Monate dauern­den Aufzeichnungen, welche der verstorbene Leiter der Marine-Expedition, Herr Marinestabsarzt Dr. Steph a n in Muliama anstellen ließ, daß Beben in Süd-Neu-Mecklenburg gar nicht selten sind. 1 )

Es steht zu erwarten, daß da, wo Korallcnkalke in großer Mächtigkeit anstehen und die Karst­erscheinungen daher bedeutend sind, auch lokale Einsturzbeben auftreten dürften (so namentlich im Schleinitz-Gebirge); doch liegen bisher keine un­mittelbaren Beobachtungen darüber vor.

Zweiter Abschnitt: Klima.

Die klimatischen Verhältnisse Neu-Mecklen- burgs und seiner Nebeninseln sind bisher nur in den allgemeinsten Zügen bekannt, da meteorologische Beobachtungen in dem Gebiet bisher nur an wenigen Stellen und nur kurze Zeit gemacht worden sind. Zudem beschränken sie sich zumeist auch auf Re­genmessungen und etliche besondere Bemerkungen. In Käwieng (West-Neu-Mecklenburg) sind in den Monaten Januar bis März 1903 Regenmessungen gemacht worden, in Namatanai (Mittel-Neu-Meck- lenburg) ebenfalls Regenmessungen in den Monaten Januar bis März und Juli bis Dezember 1908, wäh­rend mir von der Insel Namanne (Straßeninseln) dank dem gütigen Entgegenkommen des Direktors der Neu-Guinea-Kompagnie, Herrn Professors Dr. P r e u ß , Regenmessungen über den Zeitraum vom Juli 1905 bis März 1909 vorliegen. Das Beob­achtungsjournal des leider verstorbenen Marine­stabsarztes Dr. Stephan gibt für Muliama (Süd- Neu-Mecklenburg) Beobachtungsergebnisse der Mo­nate Februar bis April 1908. So kurz diese Beob­achtungsreihe auch ist, so ist sie doch für die Kennt­nis des neu-mecklenburgischen Klimas von der größ­ten Wichtigkeit, da sie nicht nur den Regen, son­dern auch die elektrischen Erscheinungen, Wind­richtung und Stärke, Temperatur, Luftdruck und Bewölkung berücksichtigt. Aber die Zeitdauer war leider gar zu kurz; man ist daher darauf angewiesen, die Beobachtungsergebnisse benachbarter Stationen, vor allem von Herbertshöhe, heranzuziehen, um den allgemeinen Gang der Witterung zu charakterisieren.

Die Lage unseres Gebietes zwischen 1 und 5 0 südlicher Breite und die insulare Beschaffenheit der Landflächen bewirken es, daß in demselben allent­halben jahraus, jahrein sehr gleichmäßige T e 111 - p e r a t u r c n herrschen. Natürlich sind die Mit­teltemperaturen an den höher gelegenen Orten des Innern der Inseln entsprechend höher, doch fehlen bisher Beobachtungen, die über die Temperaturab­nahme mit der Höhe Aufschluß geben würden.

21-monatliche Temperatur-Registrierungen zu Herbertshöhe (Station etwa 70 m ü. M., Beobachter Dr. We n d 1 a n d) aus den Jahren 1902 bis 1904 hat J. Hann in den Mitteilungen aus den deutschen Schutzgebieten 1906, S. 107 ff. diskutiert, so daß ein Verweis auf diese Arbeit in der Hauptsache ge­nügen mag. Da die Temperaturverhältnisse Neu- Mecklenburgs ungefähr damit übereinstimmen dürf ten, so möge hier erwähnt sein, daß das Temperatur­minimum wie das Maximum sehr früh eintreten: am Morgen fast eine Stunde vor Sonnenaufgang

l ) Dr. Stephan notierte in der kurzen Zeit vom 1. Fe­bruar bis 30. April 1908 in Muliama folgende Beben in seinem meteorologischen Journal:

25. März 6 h 45 pm schwacher Erdstoß. 3. April 6 ] i 30 am schwacher Erdstoß.

In der Nacht vom 4. zum 5. April 2 schwache Erdstöße.

7. April 11 & 15 am mehrere schwache Stöße. 24. April 5 l } 10 pm 2 schwache Erdstöße.

26. April 1 & 34 pm 1 schwacher Erdstoß.

Zu Namatanai (Mittel-Neu-Mecklenburg) wurden 1908 im Januar 2, im November 1 und im Dezember 1 Beben bemerkt.