Jahrgang 
1 (1910) Beiträge zur Landeskunde von Neu-Mecklenburg und seinen Nachbarinseln / von Karl Sapper. Mit einem Beitr. von C. Lauterbach
Entstehung
Seite
84
Einzelbild herunterladen
 

84

tischen Verhältnissen ebenso wie das Wasser an der raschen Abtragung- engränmiger steilböschiger Landgebilde arbeiten kann, ohne nennenswerte Land­absätze und damit neue Vergrößerungen der Land­fläche zu erzeugen, während Wind und Wasser auf Kontinenten zwar energisch an der Abtragung des Gebiets mitwirken, aber großenteils unter Vergröße­rung der Landfläche, da die Ablagerungen vielfach den Boden im Meere so sehr erhöhen, daß er schließ­lich landfest wird und als Fortsetzung der trockenen Festlandfläche erscheint.

Eine Betrachtung der Verhältnisse im Bis­marck-Archipel führte mich zu demselben Ergeb­nis, das ich bei Untersuchung der Kleinen Antillen gefunden hatte, daß nämlich ,,d i e En grau m i g- k e i t die Abtr a g u n g u n d Eine b n u n g des Geländes, sowie die Ausreifung der Formen wesentlich beschleu­nigt, w ä hrend die W ei tr ä ü m i gk ei t dieselben verlangsam t." Ich wiederhole hier weiter, was ich im Anschluß daran früher (a. a. O. S. 224) gesagt hatte: ,,Wenn man die Stoff­menge, die einem bestimmten (landfesten) Raum von der Natur zugewiesen ist, mit einem Kapital vergleichen darf, so darf man sagen, daß der eng- räumige Haushalt damit wesentlich verschwen­derischer umgeht wie der weiträumige, der denselben Stoff häufig zu verwerten pflegt, ehe er ihn nach mehrmaligem Absatz und Wiederaufnehmen end­lich ans Meer abgibt. Die engräumigen Insel- und Halbinselgebiete werden dagegen erst sparsam, wenn sie den größten Teil ihres Kapitals verloren haben, also stark abgetragen sind."

Neu-Mecklenburg und seine Nachbargebiete sind noch im Stadium des verschwenderischen Haus­halts: noch sind die mittleren Böschungen außer­ordentlich groß und daher auch die Erosionswirkung sehr beträchtlich, wie die tiefeingeschnittenen Tal­risse beweisen. Die jungen Hebungen, welche die Inseln erfahren haben, haben die Erosion jedesmal noch stärker belebt, und es haben sich dann zuweilen die wasserreicheren Hauptflüsse rascher der neuen Erosionsbasis anzupassen vermocht, als ihre wasser­

armen Nebenflüsse, so daß man z. B. am Tamul- wie am Timai-Fluß beobachten kann, wie einzelne Ne­benflüsse in Wasserfällen unmittelbar in den Haupt­fluß münden.

Wenn die Hebungen übrigens zum raschen Tiefereinschneiden der Flüsse anregen und damit die Steilheit der Böschungen örtlich noch mehren, so haben sie für das neu-mecklenburgische Gebiet doch auch die Folge, daß sie in gewisser Höhe über dem Meere mehr oder weniger breite Abflachungen des Geländes schaffen, indem die sanftgeneigten Platten ausgedehnter Riffe oder auch abradierter Strandflächen dadurch in größere Erhebungen ge­hoben werden. Manche der schmalen Küstenebenen Neu-Mecklenburgs, so diejenige, die längs der Nord­ostküste des westlichen Inselteils ohne größere Un­terbrechung von Käwieng bis etwa Panakudu reicht, ist vermutlich nichts weiter als eine wenig gehobene Strandterrasse, die allerdings vielfach von marinem oder fluviatilem Alluvium oder äolisch herbeige­brachtem Kalksand überdeckt ist.

Wo echte Alluvialebenen auftreten, wie stellen­weise auf Neu-Hannover und Süd-Neu-Mecklen- burg, da ist es bezeichnenderweise gerade in jenen Gebieten, die sich durch reifere Tal- und Gebirgs- formen auszeichnen.

Es ist kein Zweifel, daß Neu-Mecklenburg und seine Nachbargebiete noch eine große Menge inter­essanter Einzelfragen bieten, die sich bei genauerer Untersuchung des Gebietes aufstellen und auch be­antworten lassen werden. Beim jetzigen Stand un­serer Kenntnisse muß ich mich damit begnügen lassen darauf hinzuweisen, daß die Mehrzahl der eigenartigen Geländebildungen sich auf Grund der Überlegungen über den Einfluß des Klimas und der Vegetationsformationen, des relativen Alters und der Engräumigkeit erklären lassen dürften; ein­gehende Beschreibungen der Geländearten und ihrer Entstehungsweisen sind aber zur Zeit noch nicht möglich, da meine und F r i e de r i eis Reise eben nur den Zweck von Rekognosziertingsaufnahmen haben und erfüllen konnte.

Achter Abschnitt: Hydrographie.

Bei den bedeutenden Regenmengen, die im Kalkgebirge. Hier, wo im klüftigen Gestein

ganzen Gebiet Neu-Mecklenburgs und seiner Neben- große Massen Wassers versinken und unterirdisch

inseln fallen, würde überall eine sehr reichliche Be- zirkulieren können, ist der oberirdische Wasser-

wässcrung des Bodens sich einstellen, wenn nicht abfluß sehr spärlich. Häufig beschränkt er sich auf

streckenweise die starke Wasserdurchlässigkeit des die Dauer der schweren Regengüsse und kurze Zeit

Untergrundes besondere Verhältnisse schaffte: im danach, während leichtere Regenfällc alsbald von