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zerstörende Kräfte teilweise abgetragen worden zu sein, so daß nur isolierte bastionenartige Einzcl- erhebungen von ihnen übrig blieben und so besondere Züge dem orographischen Bilde einverleiben. Die eruptiven Gebilde sind auf einzelnen der größeren Inseln (Gardener-Gruppe, Lir) als ziemlich einheitliche Massenerhebungen vorhanden, die freilich durch die Erosion wieder stark gelitten haben und nun Kämme zeigen, die in vielfach gebrochener unruhiger Linie auf und absteigen und in einer oder mehreren Spitzen kulminieren. Auf Ambitle (Feni- Gruppe) sind dagegen offenbar schon eine Anzahl besonderer Eruptivkuppen ohne deutliche lineare Anordnung vorhanden gewesen, so daß diese Insel nie eine einheitliche Gebirgsmasse gehabt hat; zwischen den einzelnen Bergmassiven, die, von kleinen Wasserrissen leicht angeschnitten, steil zu ansehnlichen Höhen (500 m?) emporragen, zogen sich schon ursprünglich Vertiefungen hin, die von den Flüssen (so dem Anum) weiter vertieft und in Täler umgewandelt worden sind.
Auf den beiden Inseln der Feni-Gruppe sind übrigens gehobene Korallenkalkbildungen nach F r i e d e r 1 c i s Mitteilungen in größerer Ausdehnung ebenfalls vorhanden, und auf der Nissan- Gruppe, die ein gehobenes Atoll darstellt, auf den Tanga-Inseln, auf Tench, Squally Island und den Inseln der St. Matthias-Gruppe sind diese allein vorhanden. Sie bilden öfters wohlausgebildete Ter
rassen und auf dem Rücken der Inseln Hochflächen mit nur geringen Höhendifferenzen; in anderen Fällen (so bei den Hauptinseln der St. Matthias- und der Tanga-Gruppe) steigen im Innern trotz der Kalkbedeckung ziemlich energische Erhebungen auf, so daß ich annehmen möchte, es wären dieselben im Kern eruptiv, und nur ein Mantel von Korallenkalk darüber gelegt, der die ursprünglichen Formen noch gedämpft erkennen ließe. Daß eine solche Einhüllung möglich ist, scheint mir das Beispiel von Mahür (Lihir-Gruppe) zu zeigen, dessen an- desitischer Kern im Gipfel der Insel (von etwa 200 bis 245 m) noch ansteht, während er im übrigen von Korallenkalk umhüllt ist, der in 72 m eine deutliche Terrasse zeigt (vgl. oben S. 39 und 55).
Der Wechsel der korallinen und der eruptiven Geländeformen, der reinen eruptiven Erosionsgebilde und der von Kalken umkleideten Eruptiverhebungen, der Gegensatz hoher, steil ansteigender kegelförmiger Inseln, mäßig hoher mehr tafelförmig abschließender Gebilde und ganz niedriger flacher Eilande, deren grünes Waldkleid so wirksam von dem blendend weißen umbrandeten Kalksandsaum und dem blauen Meere sich abhebt, macht diese einsamen Inselgebiete zu besonders., wirksamen Landschaftsgebilden und interessanten aber freilich bisher nur sehr wenig untersuchten orographischen Studienobjekten.
Zehnter Abschnitt: Die Bevölkerung i
Die gegenwärtige Bevölkerung Neu-Mecklen- burgs und seiner Nebeninseln besteht zum stark überwiegenden Teil aus Eingeborenen, daneben aus einer geringen Zahl von Europäern, Chinesen und Malaien. Da die anthropologische, ethnologische und linguistische Untersuchung der Eingeborenen sowie die Feststellung der geographischen Verbreitung der einzelnen Stämme und Sprachen Herrn Hauptmann Dr. F r i e d e r i c i oblag und in einem besonderen Bericht behandelt werden wird, so muß an dieser Stelle der eingeborenen Bevölkerung nur insofern gedacht werden, als ihre Zahl und räumliche Verteilung und ihre Bedeutung für das Wirtschaftsleben des Gebietes in Betracht kommt.
a) Volkszahl und Volksdichte.
Genau bekannt ist nur die Zahl der anwesenden Europäer, Chinesen und Malaien. Nach der Reichs-
und ihre wirtschaftlichen Verhältnisse.
tagsdenkschrift No. 1106, 12. Leg.-Per. I. Session A. befanden sich im Bismarck-Archipel am 1. Januar 1909 474 Weiße, dazu Chinesen 278, Malaien 33, Tagalen 12, Südsee-Insulaner (nicht einheimische) 73. Davon entfielen auf den Bezirk Käwieng 52 Weiße (gegen 35 im Vorjahre!), auf den Bezirk Nama- tanai 12 (gegen 32 im Vorjahre!). Die überwiegende Mehrzahl der Weißen wohnt in den beiden Hauptorten zusammen; von den außerhalb wohnenden haben sich die meisten an den Küsten West- und Mittel-Neu-Mecklenburgs angesiedelt, während auf Süd-Neu-Mecklenburg noch kein Europäer wohnt, wohl aber (Muliama, Watpi, Maton) einige chinesische Händler und Pflanzer. Auf Neu- Hannover hat noch kein Europäer oder Chinese sich angesiedelt, dagegen auf einigen der vorlagernden Inseln (Kung und Ungalabü Europäer, Ungalik und Kapitang Chinesen). Von den Inseln sind nur die