Seumes Flucht (1783)
M) ging »ach Berichtigung meiner Schulden von Leipzig fort, ohne irgend jemand eine Silbe gesagt zu haben. Den Degen an der Seite, einige Äemden auf dem Leibe und im Reisesacke und ewige Klassiker in der Tasche, marschierte ich zwar ganz rüstig und leicht, aber nichts weniger als ruhig durch die Dörfer nach Dürrenberg, sehte dort über die Saale, ging über das Schlachtfeld bei Noßbach und blieb die erste Nacht in einem kleinen Dorfe bei Frciburg, das, glaube ich, Zeugefeld hieß. Den zweiten Abend blieb ich in einem Dorfe vor Erfurt, wo man mich mit vieler Teilnahme sehr gut, sehr wohlfeil bewirtete und mich schonend merken ließ, ich hätte wohl jemand mit dem Instrumente da, man wies auf den Degen, etwas übel behandelt und müsse das Weite suchen. Ich widersprach zwar; aber man schien doch so etwas zu glaubeil. Den dritten Abend übernachtete ich in Vach, und hier übernahm trotz allem Protest der Landgraf von Kassel, der damalige große Menschenmäklcr, durch seine Werber die Besorgung meiner ferneren Nachtquartiere nach Jicgcnhain, Kassel, und weiter nach der neuen Welt.
Man brachte mich als .Halbarrestanten nach der Festung Ziegenhain, wo der Iammergefährtcn aus allen Gegenden schon viele lagen, um mit dem nächsten Frühjahr nach Fawcets Besichtigung nach Amerika zu gehen. Ich ergab mich in mein Schicksal, und suchte das Beste daraus zu machen, so schlecht es auch war. Wir lagen lange in Ziegenhain, ehe die gehörige Anzahl der Rekruten vom Pfluge und dein Äeerwcgc und aus den Werbestädten zusammengebracht wurde. Die Geschichte
I. G. Seume
Hl