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Das Bremer Gastbett : Altes und Neues / zsgest. von Konrad Weichberger
Entstehung
Seite
155
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Erstaufführung von Brahms' Requiem (1868)

jon Oldenburg fuhr Brahms am 4. April direkt nach Bremen, lim die.Hauptproben des Requiems zu überwachen, und stieg bei Reinthaler ab. Viele Gäste von auswärts hatten sich angemeldet.Nun fehlt mir nur noch Fran Schumann, die ich schwer vermissen werde," klagte er. Dies wurde ihr sofort mitgeteilt, und Brahms konnte zu seiner freudigen Überraschung die schmerzlich Entbehrte, die die weite Reise von Baden-Baden nicht gescheut hatte, mit ihrer Tochter Marie in Bremen begrüßen. Mit.Hamburger Freunden war auch der Vater in der .Hansastadt an der Weser angelangt. Josef und Ainalie Joachim, die in dem Kirchenkonzert mit­wirkten, waren vou Berlin, Max Bruch von Sondershausen, F. Gustav Iansen, der Schumann-Forscher, von Verben, lind viele andere aus verschiedenen Ländern und Städten herbei­gekommen. Äber zweitausend Menschen füllten den alten Bremer Dom bis auf den letzten Platz es war ein Publikum, wie es Brahms sich nicht besser wünschen konnte, mehr ein ins Große erweiterter Freundeskreis als das gewöhnliche Konglo­merat der gleichgültigen, zcrstrcuungssüchtigen, sensationslüsternen Menge. And alle diese Menschen lauschten ergriffen in der dämmerigen Kirche der neuen künstlerischen Keilsoffcnbarung, zur Stunde, da der von Brahms geflissentlich umgangene Sohn Gottes seinen Geist auf Golgatha ausgehaucht hatte. Aber der große Freund der Mühseligen uud Beladeuen ließ sich nicht von der Gemeinde ausschließen, sondern kehrte, nach seinem Worte:Wo zwei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen," unter den erhabenen Klängen der

Max Kalbeck