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Das Bremer Gastbett : Altes und Neues / zsgest. von Konrad Weichberger
Entstehung
Seite
165
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Richard Wagner in Bremen (1872)

Zichard Wagner hat unsere Vaterstadt nur einmal besucht, im Jahre 1872; er verweilte hier vom 8. bis zum Vormittag des II). Dezembers. Der Grundstein des Bayreuther Fest­spielhauses war bereits gelegt, doch galt es nun, Patrone zu gewinnen und rechtzeitig Llinschan zu halten nach geeigneten künstlerischen Kräften für die ersten Festspielvorstellungen, und diese beiden Gründe hatten den Meister wohl auch in unsere Mauern geführt. Nachdem er am Sonntag, den 8. Dezember, mit seiner Gemahlin bei Karl Neinthaler, der, wie der Br. Courier" sich damals vorsichtig ausdrückte,sonst gerade nicht zu den unbedingten Anhängern der musikalischen Nichtung seines berühmten Kollegen zählte", zur Tafel geladen war, be­suchte er abends unsere Oper, wo ihm zu Ehren die seit der Saison l 87172 zum Zugstück gewordenenMeistersinger" aufgeführt wnrden. Manchem unserer älteren Leser ist, wie dein Verfasser dieser Zeilen, dieser denkwürdige Abend wohl noch in Erinnerung geblieben. Bei seiner Ankuuft im Theater wurde Wagner mit einem Orchcstertusch begrüßt nnd das ge­samte Auditorium erhob sich mit enthnsiastischen Zurufen von seinen Sitzen. Der Meister blieb bis zum Schlüsse der Oper. Nach dem zweiten Akte, nach dem Quintett und nach beendigter Vorstellung gab die Zuhörerschaft wiederholt iu der erhebensten Weise ihre Verehrung kuud. Nach dein zweiten Akte und am Schlüsse erhob sich Wagner inmitten der jubelnden Zurufe vou seinem Sitze und wandte sich mit grüßender Äandbewegung dankend nach allen Seiten. Wagner hat sich damals nicht nur mündlich in den schmeichelhaftesten Ausdrücken über diese Auf­

Karl Seiffert