Peter d. Große in Bremen
Peter der Große in Bremen (1716)
Dr. v. Bippcn
Laufe einer tausendjährigen Geschichte hat Bremen manchen fremden Fürsten in seinen Mauern bewirtet, aber nie wohl hat es einen wunderlicheren Gast bei sich gesehen, als den großen russischen Zaren, der mit dem offenen Sinne für die Zivilisation des Westens den Barbarentypus seines Volkes verband.
Schou auf seiner ersten Reise durch Europa im Jahre IK97 hatte man seinen Besuch in Bremen erhofft, allein er hatte eine südlichere Reiseroute nach den Niederlanden gewählt und die Erwartungen der bremischen Bevölkerung getäuscht. Am so größer war deren freudige Erregung, als zu Anfang Dezember l7lli das Gerücht sich verbreitete, der Zar, der inzwischen erst seinen Weltruhm begründet hatte, werde diesmal von Lübeck und Mecklenburg her seinen Weg nach Äolland über Bremen nehmen. König Georg I., der soeben in den faktischen Besitz der Herzogtümer Bremen und Verben gelangt war, beeilte sich, seinem großeil Verbündeten auf der Durchreise alle Ehren zu bezeigen; wie hätte Bremen unterlassen sollen, dem berühmten Feinde Schwedens, dessen drückende Nachbarschaft nun ihr Ende erreicht hatte, gleichfalls seine Äuldigung darzubringen? Daß sich der Zar noch fortdauernd im Kriege mit Schweden, und daß sich ein Teil der Stadt Bremen noch formell im schwedischen Besitze, auch der schwedische Generalgonverneur sich noch hier befand, konnte für den Rat, der sich neutral verhielt, nicht von Belang sein. Er beschloß sogleich, Peter dem Großen eineil glänzenden Empfang zu bereiteil, und er fand für diesen Plan das bereitwilligste Entgegenkommen bei den Einwohnern der Stadt.