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Das Bremer Gastbett : Altes und Neues / zsgest. von Konrad Weichberger
Entstehung
Seite
81
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Lavater in Bremen (1786)

I. I. Stolz

I I, Mai I/^ti ward ravau'r von dc>^ An,? garigemeinde in Bremen mit 165 Stimmen zu ihrem dritten Prediger gewählt; 64 andere Stimmen verteilten sich unter fünf andere Prediger. Von dieser Erwählung machte Lavater, dem seine Eitelkeit desfalls einen argen Streich spielte, viel zu viel Aufhebens, da so etwas in Ansehung bekannter oder be­rühmter Prediger häufig geschieht. Durchaus nichts Außer­ordentliches fiel seinethalben bei dieser Wahl vor, und da diese nichts weiter als eine Anfrage war, ob er die Stelle annehmen wolle, so war es gewiß so lächerlich als anstößig, daß er seine Lage mit der von Jesus in Gethsemane verglich und auf öffent­licher Kanzel betete: Ist's möglich, Vater, so nimm diesen Kelch von mir! Bekanntlich lehnte er auch zuletzt den Ruf wirklich ab.

An, 2». Iuui fuhr ich mit Äerrn Nikolaus Kuleukamp und dessen ^rau Lavatcru entgegen nach Äoya; er kam mit uns nach Bremen und trat bei mir ab'). Er hatte seinen Sohn nach Göttingcn auf die L.luivcrsität gebracht, wo er Arzneitunde studiere» sollte. Da er nun kurz zuvor von der Ansgarigemeinde zum Prediger gewählt worden war, und ein Jahr zuvor bei einer Predigcrwahl zu St. Stephan! nnr wenige Stimmen gefehlt hatten, so war gewiß nichts natürlicher, als daß ich ihm nach Göttingen schrieb, daß er doch noch vollends bis nach Bremen kommen möchte.

Daß er mit mir so viele Besuche in Bremen machte, ward ihm von vielen verdacht; allein schicklicherweise mußte er doch

>> Das Äou« lag an dcr Ticscr,

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