das Euch Gott belohne! Aber Euer Angesicht war am Abend nicht so heiter wie am Morgen, und das frißt mir'sÄerz." Diese gutmütige Teilnahme des alten Kriegsknechtes gefiel dem Verzweifelten, daß er nun das Gespräch gern uuterhielt. „Ei nun," antwortete er, „wenn dir daran gelegen ist, zu erfahren, warum ich mich hier die Langeweile habe plageil lassen, so wisse, daß ich einen Freund suchte, der mich hierher beschied und nun vergeblich auf sich warten läßt." — „Mit Verlaub," entgegnete der Stelzfuß, „daß ich frei reden mag; Euer Freund, sei er auch, wer er sei, ist eiu Schurke, daß er Euch so am Narrenseile führt. Tät er mir das, so sollte er wahrlich meine Krücken fühlen, wo er mir unter die Augen träte. War er verhindert, Wort zu halteil, sollte er es kund tun und Euch nicht äffen." ^ „Ich kann ihm," entschuldigte Franz, „sein Ausbleiben gleichwohl nicht verargen; er hat mir nichts versprochen; es war nur ein Traum, der mir verhieß, hier meinen Freund zu treffen." — Die Gespenstergeschichte war ihm zu erzählen zu weitläufig, darum hüllte er sie in einen Traum. — „Das ist ein anderes," sprach der Alte, „wenn Ihr auf Träume baut, so wuudert's mich nicht, daß Euch Eure Hoffnung betrügt. Mir hat in meinein Leben viel tolles Zeug geträumt; aber ich bin nie ein solcher Tor gewesen, darauf zu achten, .hätte ich alle die Schätze, die mir im Traume sind beschert gewesen, die Stadt Vremen wollt' ich bannt kaufen, wenn sie feil geboteil würde. Ich muß Euch iils Gesicht lachen, daß Ihr um eines leeren Traumes willen einen schönen Lebenstag verschleudert, den Ihr bei einem fröhlichen Gelage besser zugebracht hättet." — „Der Erfolg beweist, daß du Recht hast, Alter, und daß Träume öfters trügeil. Aber," verteidigte sich Franz, „ich träumte so lebhaft und umständlich vor länger als drei Monden, daß ich an eben diesem Tage und an diesem Orte einen Freund antreffen sollte, der mir Dinge von großer Wichtigkeit zu sagen habe, daß es wohl der Mühe lohnte, zu erfahren, ob der Traum zutreffen würde." - „O," versetzte der Stelzfuß, „niemand
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Das Bremer Gastbett : Altes und Neues / zsgest. von Konrad Weichberger
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60
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