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Ein Jahrzehnt in Samoa (1906-1916) / von Frieda Zieschank
Entstehung
Seite
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Unter englischer Herrschaft.

Nach dem Verschwinden unseres Geschwaders richtete sich der Feind behaglich ein. Von Neuseeland kam Ersatz für unsere Beamten, deren Häuser bezogen wurden. Offi­ziere und Zivilbeamte ließen größtenteils ihre Frauen kom­men.

UnserDeutsches Kasino" wurde Kantine und Messe für die englischen Offiziere. Für die Truppen wurden, da die Regenzeit herannahte, Baracken gebaut. Man bot die Ausführung dieser Arbeit dem deutschen Bauunternehmer Stüntzner an, der früher stets für die deutsche Regierung- gebaut hatte. Trotzdem er arbeitslos und fast völlig mittellos war, lehnte er es ab, für den Feind tätig zu sein. Die Ge­bäude wurden natürlich trotzdem gebaut und bezogen.

Die Funkenstation wurde durch eine Feldbahn mit dem Zollgebäude verbunden. Das Material, besonders die Schie­nen dazu, entnahm man von den Pflanzungen der Firma. Überhaupt ist diese am schwersten vom Feinde heimgesucht worden, vielleicht weil er in ihr die Verkörperung des groß­zügigen deutschen Unternehmungsgeistes sah, oder war es nur das Wissen, daß diese Gesellschaft die einzige wirklich große Geldmacherin in der Kolonie war (außer der London Mission), was seine Hände sich immer gieriger nach ihr aus­strecken ließ?!

Das große Wohngebäude für die Beamten der Firma wurde zur Hälfte mit Truppen belegt, und der Geschäfts­leiter und seine Familie hatten unter wiederholten rücksichts­losen Haussuchungen zu leiden. (Man suchte nach den ver­schwundenen Teilen der Funkenstation; natürlich vergebens.)

Es wurde für die Deutschen eine Polizeistunde festge­setzt, nach der sie nicht mehr außerhalb ihrer Wohnungen sein durften. Dieser Zeitpunkt wechselte anfangs beständig. Einmal war es 9 Uhr, dann wieder 10 Uhr, vom Mai 1916