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Ein Jahrzehnt in Samoa (1906-1916) / von Frieda Zieschank
Entstehung
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treu zu ihrem deutschen Manne hielt, lebt noch als einzige Frau mit ihm im Gefangenenlager. Ein bitteres Los!

Es war eine schwere Abschiedsstunde, als wir unsern Freunden Lebewohl sagten, die auf einem elenden schmutzigen Dampfer, einem echten Seelenverkäufer, ver­frachtet wurden. Aber:Auf Wiedersehen zum Weih­nachtsfest!" winkten wir uns zu. Diese Wohltat, daß keiner von uns damals ahnte, wie lange die Trennung währen würde! Ach, und wie oft noch sollten sich solche Szenen wiederholen!

Die deutschen Kreuzer vor Apia.

Zwei Wochen wehten nun schon die verhaßten eng­lischen Farben über der Kolonie. Welch ohnmächtige Ver­zweiflung, welches Heimsehnen die deutschen Herzen auf­wühlte! Daheim regten sich alle Kräfte in dieser schweren Zeit für das Vaterland, und wir konnten nichts, gar nichts dazu tun, nicht das kleinste Opfer bringen. Wie geächtet kamen wir uns vor.

In der Heimat läuteten die Siegesglocken, wehten die Fahnen, marschierten die Regimenter unter klingendem Spiel. Wir saßen in hilflosem Zorn, starrten mit zusammen­gebissenen Zähnen auf den flatternden Union Jack, die schlappen Tommies und hörten die Mosquitos summen und die Kokosnüsse von den Bäumen plumpsen. Daheim stolzer Siegesjubel, und wir schluckten bittere Erniedrigung.

Die Engländer hatten verbreitet, unser Kreuzerge­schwader sei vernichtet, nur ein kleiner Kreuzer sei übrig­geblieben. Wir glaubten es natürlich nicht, aber es meldeten sich Augenzeugen, Samoaner, die den Kampf von Savai aus mitangesehen haben wollten. Sie versicherten allerdings,

Zieschank, Saraoa.

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