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Die Kolonial-Bilanz : Bilder aus der deutschen Kolonialpolitik auf Grund der Verhandlungen des Reichstags im Sessionsabschnitt 1905/06 / dargestellt von M. Erzberger
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im ganzen in seiner Kasse gehabt hat, worüber kein Buch geführt worden ist. Diese Gelder sind aber alljährlich benutzt worden, um zu Kaisers Geburtstag den Eingeborenen eine kleine Freude zu bereiten. Das ist die ganze Sache, auf die dieser Vorwurf hinauslauft,"

Dieses Gebaren ist im gesamten Reichstage verurteilt worden; zuerst tadelte der Zentrnmsabgcordnete Dasbach dieseZnrnck- behaltuug, die die Leute erbittern müsse"; dann meinte der Abgeordnete Bassermann, daß man gegenüber solchen Beschuldigungen garnicht den Grundsatz aufstellen dürse,das sind leichtfertige, frivole Be­hauptungen, nm die kümmeru wir uns nicht". Der freisinnige Abg. Müller-Sagau führte aus:

Am schmerzlichsten aber muß ich sagen hat mein Empfinden die Mitteilung des Herrn Geheimrat Rose verletzt über dieAbruudung", die regelmäßig oder doch öfter stattgefunden zu haben scheint bei Beträgen, die an Eingeborene zu zahlen waren. (Lebhafte Zustimmung.) Was ist das für eine Sache?! Wenn ein Eingeborener 85 Pfennig zu fordern hat, daun zahlt man ihm nur 50 Pfennig und bringt die übrigen 35 Pfennig nach irgend einer Richtung beiseite, weil der Eingeborene doch nur, wie Herr Geheimrat Rose sagte, mit six penc-e, mit SV Pfennig zu rechne» gewohnt ist, Denken Sie sich einmal einen Straßenreinigungsanfseher, der den ihm untcrstelllcu Arbeitnehmern 34 Pfennig von ihrem Tngelohn zurückhalten wollte! Der Fall ist doch schon vorgekommen. Was ist da geschehen? Der Mann ist sofort ans dem Dienst entlassen, mit Gefängnis bestraft worden unter Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte, (Hört! hört! links,) Hier aber wird gesagt: 85 Pfennig?! Damit wissen die Leute uicht zu rechnen, also zahlt man ihnen bloß 50 und die übrigen 35reserviert" man für einen anderen Zweck und damit ist die Sache abgemacht!

Ja, gibt es denn nicht eiueu Rechnungshof in Potsdam?! (Sehr gut! links,)

Wie stellt mau sich deun da, wenn es sich um die Decharge für die fraglichen Rechnungen handelt? (Sehr gut! links,)

Das sind doch ganz unerhörte Verhältnisse! Wenn das so weiter geht, dann sügen wir zu dem wirtschaftlichen äebscle, welches wir in unserer Kolonialwirtschaft schon haben, noch ein moralisches äebäcle der schlimmsten Art hinzu," (Lebhafter Beifall,) (S. 2303.)

ii. Einige weitere säile.

a) Der Fall des Gerichtsaktuars Koch.

Koch war früher Gerichtsaktuar beim Obcrlandesgericht in Stettin, An: 1. Oktober 1898 wurde Koch die Stelle eines Burecm- assistenten erster Klasse in Dar-es-Salain übertragen. Mit Wirkung vom 1. April 1899 ab wurde er etatmäßiger Bezirksamtssekretär. Er erhielt also eine etatmäßige Anstellung im Rcichsdienst, auch wenn mau sagen will: im Lcmdesdienst für Ostafrika. Damit ist er jedoch ohne weiteres aus dem preußischen Justizdienst ausgeschieden. Diese etatsmäßige Anstellung eines Hilfsarbeiters im Preußischen