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Die Kolonial-Bilanz : Bilder aus der deutschen Kolonialpolitik auf Grund der Verhandlungen des Reichstags im Sessionsabschnitt 1905/06 / dargestellt von M. Erzberger
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genommen worden. Manche der Syndikatsmitglieder (Freiherr v. Cramer-Kleit war schon 1903 ausgeschieden) verzichteten auf ihre Provision.

s. Lieserungsvetträge ritt Sie Kolonien.

Als der Verfasser dieser Schrift im Herbste 1905 den kleinen Zwischensatz niederschrieb, daß er von dem kolonialen Lieferungswesen lieber gar nicht reden wolle, erhob namentlich ein Teil der liberalen Presse ein furchtbares Geschrei! Und heute? Ich habe inzwischen geredet und jenes Geschrei ist verstummt, weil die Kolouialabteiluug selbst das Unhaltbare der heutigen Verhältnisse zugegeben hat. Schon im Jahre 1904/05 habe ich Klage darüber geführt, daß bei allen diese» Lieferungen Süddeutschland nahezu gar nicht berücksichtigt werde. Auf meine Veranlassung ist nun iu der Budgetkommission eine Tabelle mitgeteilt worden, nach welcher von allen Liescruugen für die Verpflegung der Truppen in Südwestafrika vom Mai 1905 bis Mai 1906 entfallen:

Anf Bayern 1,8 Prozent, auf Sachsen 3,1 Prozent, auf Württemberg 2,8 Prozent, anf Hamburg 22,7 Prozent, auf Bremen und Lübeck 9,2 Prozent und auf Preußen und die anderen Bundes­staaten 60,7 Prozent. Diese Liste würde aber noch eine wesentliche Verschiebung erfahren, wenn man die Ausgaben für Transportkosten und Bekleidung mit hereinziehen würde.

Die Zentrumsfraktion hat im März 1906 einen Antrag ein­gebracht, welcher die sofortige Kündigung der Verträge mit den Mouvpolsirmen fordert- der Antrag richtet sich in erster Linie gegen die Firmen Tippclskirch und Woermanu. Zur Begründung dieses Antrages ist vom Abg. Erzbcrger ausgeführt worden:

Die Firma Tippclskirch erhält nach diesen Verträgen für 1906 Aufträge im Gesamtbetrage vou 8 Millionen Mark (Hort! hört!), eine einzige Firma! Ich werde Ihnen nachher in einer Reihe von Einzelfällen nachweisen, um wie viel diese Firma höhere Preise seitens deS Reichs verlangt, als sie selbst ausgibt, teilweise Zuschläge von 30, 47, iu einem Falle sogar von 109 Prozent. Wenn man nur einen Durchschnittszuschlag von 39 Prozent annimmt, so gibt das Reich der Firma Tippelskirch als Kommissionär jährlich 2 Millionen Mark zu verdienen. (Hört! hört!) Wenn mir trotz der schlechten Finanzlage die großen Opfer für die Unterwerfung des Aufstandcs in Südivestafrika bringen müssen, so sehe ich noch keine Notwendigkeit ein, einer einzigen Firma hier in Berlin als Kommissionär und Vermittler noch zwei Millionen Mark in die Tasche zu werfen. Das können meine politischen Freunde nicht mitvercuuWorten, nnd deshalb verlangen wir sofortige Lösung des Vertrags. Wie das möglich ist, daranf werde ich im Verlaufe meiner Ausführungen