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Kolonialabteilung niedergelegt war; es ist von ihm ein ganz anderer zweiter Fall beantwortet worden."
Auch dieser Tarstellung konnte nicht widersprochen werden. Der frühere Kolonialdirektor Dr. Stuebel hat die schon am 16. Februar l900 eingelaufene Selbstanzcige des Hauptmanns Kannenberg dem Reichstage nicht mitgeteilt, sondern ein ganz anderes Vorkommnis.
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Am 15. Dezember 1905 hat der Abg. Ablaß im Reichstage mitgeteilt, daß
der Hauptmcmn Thierry den Vater des Zöglings der katholischen Mission in Lome, der sich aus Angst vor Thierry auf einen Baum geflüchtet habe, einfach von dem Baum heruntergeschossen habe. Des weiteren ist bezüglich des Herrn Gaston Thierry zur Sprache gekommen, daß er Eingeborene wie Wild niedergeschossen haben soll, und daß er wegen seiner Grausamkeiten in dem ganzen Schutzgebiete berüchtigt gewesen ist.
Der Personalreferent der Kolonialabteilung Geheimrat von König gab in derselben Sitzung folgende Antwort:
„Was die Geschichte von dem heruntergeschossenen Schwarzen betrifft, und daß der Hanptmanu Thierry Schwarze wie Wild soll heruntergeschossen haben, so kann ich Ihnen sagen, daß ich letzteres hier zum erstenmale höre. Amtlich ist es bisher nicht an uns herangetreten. Ich kann Ihnen nur die Versicherung geben, daß alles, was amtlich au uns herantritt, geprüft wird. Wir haben doch gar keinen Grund, derartige Sachen nicht zu verfolgen."
Am 13. März 1906 ist nun der Abg. Erzberger aus diese Antwort zurückgekommen und hat ausgeführt:
„In unlösbarem Widerspruch mit dieser Behauptung im Plenum, daß die Taten des Hnuptmanns Thierry am 15. Dezember 1905 zum erstenmal an die Kolonialabtcilung Herautraten, daß sie ihr amtlich nicht bekannt geworden seien, steht die Tatsache, daß bereits in einer Beschwerde an den Herrn Reichskanzler vom 22. Nove m b c r tilget, also über ein Jahr früher, alle diese Taten derKolonialabteilung mitgeteilt worden sind. iHört! hört! in der Mitte.) Trotzdem aber tritt der Pcrsonalrcfcrcut der Kvlonialabteilung an diese Stelle und versichert : amtlich ist es nicht au uns herangetreten, ich höre überhaupt das erste Mal von dieser ganzen Sache. Auch hier begnüge ich mich damit, den Widerspruch zwischen der Erklärung in diesem hohen Hause und den amtlichen Dokumenten des Reichskanzlers bezw. der Kolonialabteilung festgestellt zu haben."
Auf diese Feststellung hin hat der Kolonialdirektor Erbprinz von Hohenlohe am 13. März 1906 erwidert:
„Es ist nicht richtig, daß damals, als der Herr Abgeordnete Ablaß seine Anfrage stellte, die Antworten wvhlvorbereitet waren. Es ließ sich damals noch nicht übersehen, auf welche einzelnen Falle Herr Ablaß eingehen würde — es war davon vorher keine Mitteilung gemacht worden —, und wenn
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