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Die Kolonial-Bilanz : Bilder aus der deutschen Kolonialpolitik auf Grund der Verhandlungen des Reichstags im Sessionsabschnitt 1905/06 / dargestellt von M. Erzberger
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Die Kaufkraft S ü d w e st a f r i k a s wird am letzten Ende vvm Deutschen Reichstag und aus den Taschen der Steuerzahler hergestellt.

Ein sehr richtiger Satz! Dr. Karl Peters empfiehlt daher auch dem Deutschen Reichstage vorsichtige Zurückhaltung und genau berechnete Sparsamkeit in den Ausgaben, und er schließt mit dem Satz:

S ü d w e st a f r i k a r e i ch t höchstens au die är »i st e u Teile de > britischen Südafrika heran.

Nun, wenn Sie Or. Karl Peters immer als einen so hervorragenden Kolonialpolitiker rühmen, dann sollten Sie auch die Konsequenz ziehen und ihm auf diesem Gebiete folgen."

5. Die Unterscdleife in SüawestattMa.

Am 2. Dezember 1905 hat der Abg. Erzbcrger im Reichstage eine Angelegenheit zur Sprache gebracht, die bis heute noch nicht vollständig geklärt ist; er führte aus:Mir ist bereits im Lause des Sommers mitgeteilt worden, daß in Südwestafritn Nnterschleife vor­gekommen wären. Ich habe auf die erste Mitteilung hin, obwohl mein Gewährsmann sagte: es ist absolut richtig ich null mich aber auf persönliche Ausführungen nicht einlassen, wenn ich uicht feste Beweise iu Händen habe, geschwiegen. Dann ist mir aber am 13. November 1903 dieSndamerikanische Rundschau" vom 1. Juli 1905 zugesendet worden, in welcher sich folgende Notiz befindet:

Aus Bnhia Blauca schreibt imArgentinischen Wochenblatt" ein Stauer: Sämtliche Schiffe, vor allem deutsche, die Slldwestafrika anlanfen, bringen allerlei Sachen mit, worüber sich jeder wnuderu muß. Mnu bekommt da sämtliche Ausrüstungsstücke des deutschen Soldaten in Afrika, als Manchester­hosen, Röcke, Mützen mit blauen Streifen, eine Art Drillichnnzng mit binnen Streifen, Knöpfe mit Kaiserkrone, lange und kurze Stiefel, Mosquitervs, Bajonette, Hemden, Strümpfe usw. Alles nen, noch nicht gebraucht; ich selbst habe viele Sachen erstanden, viel geht in den Kamp. Stempel L ^, O 190t. Möchte wissen, welche Hallnnken sich die Freiheit nehmen nnd ohne Recht Dentschlands Eigentum versilbern oder verschenken, wo doch der ärmste Tropf seine Steuern bezahlen muß."

Als ich diese Nachricht erhalten habe, habe ich mich sofort mit einem Schreiben an das Oberkommando der Schutztruppc dahier gewandt mit der Bitte, mit geeigneten Maßnahmen einzuschreiten, um sofort den eventuellen Mißstand zn beseitigen; ich behielt mir aber die parlamentarische Behandlung dieser Angelegenheit vor. Darauf er­hielt ich am 14. November folgendes Schreiben vom Oberkommando der Schntztruppe. Es heißt da, wobei ich die Einleitungsfvrmel weglasse.

Das Oberkommaudo hat aus demArgentinischen Wochenblatt" im Mai d. I. entnommen, daß derartige Gerüchte daselbst im Umlauf seien, nnd bereits am 30. Mai d. I. das Schutztrnppcnkommando durch schriftlichen Befehl