Rückblick aus die Ergebnisse der deutschen Rolonialpolitik.
Die deutsche Kolonicilpolitik feierte in diesem Jahre ein Jubiläum; 20 Jahre siud verstrichen, seitdem Fürst Bismarck auf Veranlassung hanseatischer Kaufleute den Kurs des Reiches in das koloniale Fahrwasser gelenkt. Aber dieses Jubiläum gibt keine Veranlassung zur Festesfreude; denn das Reichsschiff hat in diesem Fahrwasser so viele schwere Stöße erlitten, daß der erste Kanzler, wenn er diese vorausgeahnt hätte, wohl nie diese Fahrt unternommen haben würde. Hellte sitzen wir in der Kolonialpolitik tatsächlich fest; die Ausstände und Unruhen iu Südwestafrika, Ostafrika und Kamerun mit ihren riesigen Opfern an Geld und Menschenleben scheinen mir auf den Zusammen- bruch unserer bisherigen Kolonialpolitik hinzudeuten. Jedenfalls aber steht das eine fest, daß die schlechte Finanzlage des Reiches ohne die hohen Ausgaben für die Kolonial- und Weltpolitik nie herbeigeführt worden wäre. Wenn man deshalb daran geht, die Finanzen des Reiches zu verbessern, so muß iu erster Linie Fürsorge getroffen werden, daß nicht die Kolonial- und Weltpolitik alle jene Summen verschlingt, die man jetzt dem deutschen Volke auferlegen will, und daß wir in kürzester Zeit wieder vor demselben Finanzelend stehen wie heute. Reichsfinanzreform und Kolonial- und Weltpolitik stehen deshalb im ursächlichsten Zusammenhang.
Die Ausgaben für die Kolonialpolitik haben vor 20 Jahren mit kleinen Summen eingesetzt. 1885 wurden für die Kolonialpolitik insgesamt rund 348 000 Mk. ausgegeben; 1895 schon 6 107 100 Mk., 1904 149 490 600 Mk. Die Kosten für die Kolonialabteilung dahier sind geradezu lawinenhaft angewachsen und belaufen sich seit 1885 auf 6 78? 810 Mk., die für die Kvlonial- verwaltung von Kiautschau im Reichsmarineamt auf 404 000 Mk. — hier scheint sich mit der Zeit ein zweites Kolonialamt entwickeln zu wollen —. Die einmaligen Ausgaben der Kolonialabteiluug sind 186 710 300 Mk., der Reichszuschnß für Kiautschau, ein Fleck Erde mit 500 ylcm, bereits 85 933 800 Mk.; die Kosten der ostcisiatischeu Expeditiou sind bis heute 274 106 900 Mk. und der südwestafrikcmische Aufstand kommt bereits mit 182 848 900 Mk. in Rechnung; dazu tritt noch der Kaufpreis für die Südseeinseln mit 16 750 000 Mt. Die Kosten für die Flotte und die Jndiensthaltung der Schiffe an den Küsten unserer Schutzgebiete, die Dampfersubventiouen und die