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Alljährlich gehen dem Reichstage umfangreiche Denkschriften über die Entwicklung der Schutzgebiete zu; dieses amtliche Material mnß für jeden Abgeordneten, der sich mil der Kolonialpolitik befaßt, die erste und zuverlässigste Quelle sein, nn der er sich über die Kolonien orientieren kann, lim so auffallender ist es aber, daß in diesen amtlichen Denkschriften sich so viele Widersprüche vorfinden.
Am 2. Dezember 1905 hat der Abg. Erzberger diese Widersprüche im Reichstage einzeln besprochen, indem er sich auf Publikationen stützte, die er schon im Herbst 1905 erfolgen ließ. Wir geben diese anmit wieder, mit dem Bemerken, daß nur die Berichterstattung über ein einzelnes Schutzgebiet, nämlich über Südwestafrika, in den Kreis dieser Nachweise gezogen worden ist.
Für die gesamte wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung Südwestafrikas ist die Wassersrage entscheidend. Was ist nun das Ergebnis der seitherigen Tätigkeit auf diesem Gebiete? Im Berichtsjahre 1892/93 läßt man den Leiter der ersten Expedition der Sonth West Africa Company, Mr, Copeland, folgendes dem Reichstage sagen: „Ueber all, wo Wasser gesucht worden ist, hat man es auch gefunden und zwar nicht tief unter der Oberfläche." (Sess. 1893/94, Nr. 48, Seite 21.) Der von derselben Gesellschaft entsendete Ingenieur Nogers darf mitteilen: „Was der Gegend noch fehlt, ist Wasser, das durch Bohrungen und Anlage von Deichen leicht zu beschaffen wäre." (S. 22.) Bereits im folgenden Jahre wird aber jedes Bedenken über die wasserarme Gegend zerstreut. In der' amtlichen Denkschrift erstattet ein Dr. Hindorf ein Gutachten über den „landwirtschaftlichen" Wert Südwestafrikas. (Session 1894,95, Nr. 89, Seite 121 ff.) Er gibt zwar zu, daß die Flüsse mit Ausnahme von dreien nur zur Regenzeit „oberirdisch fließendes Wasser führen, daß aber unter der Oberfläche im Flußbett auch in der Trockenzeit in der Regel Wasser gefunden werden kann". (S. 137.) „Auf den Hochflächen im Innern gibt es eine ganze Anzahl von natürlichen Quellen und offenen Wasserstellen." (S, 138.) „Es scheint, daß überall unter dem Kalktuff reichliche Mengen von Wasser vorhanden sind." (S. 138.) „Noch zahlreicher als die wirklich fließenden Quellen sind in dem Kalkgebiet diejenigen Stellen, wo der Kalktnff durchbrochen ist und wo in demselben nur offene, stehende Tümpel vvrhandeu sind. Solche Wasserstellen sind besonders östlich von Grootfontein häufig; das offeue Wasser nimmt dort meist einen etwas größeren Flächenraum ein, mehrere Hundert bis viele Tausend Quadratmeter, so daß wir hier also große Teiche haben, an den Rändern mit Schilf bewachsen, in der Mitte mit tiefem Wasser, aus denen sich Scharen von Wasser-
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