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Neu-Kamerun : Reiseerlebnisse und wirtschaftspolitische Untersuchungen / von Emil Zimmermann
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IJ. Die belgische Kongobahn.

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wir dann auf demKongo undfeinenNebenflüffen geschaffen haben werden, gegen Belgien in die Wagfdiale werfen können. Damit das Weitere klar zum Verständnis kommt, wollen wir uns zunächst mit der belgischen Kongo-Eifenbahn und ihrer weiteren Entwicklung beschäftigen.

III. Die belgische Kongobahn.

Über den belgischen Schienenftrang zum Stanley-Pool, wo das unvergleichlich großartigste Wafferverkehrsnetj Afrikas feinen Anfang nimmt, habe ich von meiner Reife aus an die Zeitungen berichtet. Es genügt eine einfache Wiederholung des dort Gesagten.

Schon die drei Endpunkte der Eisenbahn am Stanley- Pool (nebeneinander liegen da Kinshasha, Ndolo, Leopoldville) legen Zeugnis ab von der erstaunlichen kolonialen Tatkraft der Belgier. Leopoldville mit Ndolo zusammen können sich schon neben Brazzaville sehen lassen; daneben haben die auf die Zukunft ihrer Kolonie vertrauenden Belgier aber noch Kinshasha, das jetzt täglich wächst und mit feinen Bahnanlagen, riesigen Lagerschuppen, der Werft, den entstehenden großen Geschäftshäusern den Eindruck einer werdenden afrikanischen Großstadt macht. Kinshasha übertrifft Duala, das trotz feiner günstigen Lage auffallend zurückgeblieben ist.

Daß mit der Bahn aber nicht alles klappt, zeigte sich schon vor der Abfahrt. Ich wollte an einem Mittwoch Ende Juli nach Matadi und ging tags zuvor zur Bahn, um Billetts zu lösen; der Beamte erklärte mir aber, der Mittwochszug fei vorn französischen Gouvernement belegt; es könne niemand mitfahren. Die Sache ging mir wider den Strich. Ich erklärte dem Herrn, daß meines Wissens die Bahn keine französische Truppentransportbahn wäre, sondern eine dem öffentlichen Verkehr dienende Anlage; dem französischen Gouvernement möge man 50, auch 60 v. H. der verfügbaren Sitze reservieren, aber nicht einfach einen ganzen fahrplanmäßigen Zug. Meine Einwendungen halfen etwas; aber ich sollte in zweiter Klaffe (auf der belgischen Bahn gibt es nur zwei Klaffen, und in der zweiten fahren die Eingeborenen) für 25 Frank fahren