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Neu-Kamerun : Reiseerlebnisse und wirtschaftspolitische Untersuchungen / von Emil Zimmermann
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Erster Teil. Vorn Dume zum Lobay und Kongo.

hineingefahren; die Sonne war hinter den hohen Uferbergen verschwunden. Im Dümmer des scheidenden Tages machten wir an sandiger Ufererhebung fest, und bald tummelte sich Weiß und Schwarz im feinen, weichen Sande zwischen den dürftigen, grauen Uferbüfchen. Märchenfarben nahm der Himmel an; leise rauschte das Wasser. Mit gedämpfter Stimme fangen die Soldaten seltsame Lieder. Afrika nahm Abschied von uns, aber sicher nicht für immer.Kommt wieder; hier gibt's reiche, herzberuhigende und hirnsattigende Arbeit, murmelten die Wellen, flüsterten die Büsche, und so klang es aus den monotonen, aber doch eindrucksvollen, unsagbar schwer­mütigen Liedern der schwarzen Leute.

XI. Die wirtschaftliche Bedeutung Neu=

Kameruns.

Betrachten wir nunmehr das neue Gebiet an sich, soweit es durch die von den französischen Behörden leider nicht ge­forderte und infolgedessen unter vielen Schwierigkeiten durch­geführte Informationsreise dem Schreiber bekannt geworden ist. Allein auf uns und auf den guten Willen der Eingeborenen des neuen Gebiets angewiesen, die wir bald durch Liebens­würdigkeiten zu gewinnen hatten, bald durch energisches Zu­greifen an uns halten mußten, damit wir nicht im Urwald ohne Träger einfach liegen blieben, konnten nur mit größter Anstrengung etwa 700 km (abgerechnet die Sangha-Fahrt von Nola über Weffo bis Bonga) im neuen Gebiete zurückgelegt werden; wirklich kennen lernten wir nur das Gebiet zwischen Gaza, Carnot, Kolongo am Lobay und südlich davon bis Gamba Oro-Nola, dann den Sangha und Teile vorn Sangha-Zipfel. In dem Gebiet, umschlossen von den Linien GazaCarnotKo­longo den Lobay abwärts bis Bakota, dann über Bera-Njoko nach Nola hinüber und den Sangha abwärts bis zur Alt- Kameruner Grenze, müssen an 250000 bis 300000 Menschen wohnen. Diese Baias, Yangheres, Bukongos, Mbimuleute find alle unterworfen und friedlich; sie zahlen willig ihre Steuern (5 Frank jeder Mann und jede Frau), und die Franzofen