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Fünfzehntes Kapitel. Die Franzosen auf Madagaskar.
Madagaskar ist möglicherweise die Insel, welche der griechische Geograph Ptolemäus von Alexandrien, der im zweiten Jahrhundert nach Christus schrieb, als „Menouthias" erwähnt und welche auch andere klassische Geographen unter dem Namen „Monouthis" oder „Menoutheseas" anführen. 1 Wahrscheinlicher ist es indes, daß die Berichterstatter des Ptolemäus oder die unbekannten Verfasser der „Umschiffung des Erythräischen Meeres", welche den Namen „Menouthias" schon ein Jahrhundert früher gebrauchten, meistens die Insel Pemba oder eine der Comoreninseln meinten. Die ersten Erwähnungen der Insel von seiten europäischer Geographen sind dagegen klarer und begründen sich offenbar auf arabische Nachrichten der islamitischen Zeit, welche von einer großen Insel „Albargoa" oder „Manutia-Alphil" im Indischen Ozean berichten. Ältere arabische Namen waren Serandab, Phenbalon und Quambalon. Die in einer arabischen Schrift vorkommende Benennung „Jezirat-el-Comr", d. h. Insel des Vollmonds, bezieht sich wahrscheinlich auf die noch heute so benannten Comoreninseln. In den Karten der venetianischen Geographen Fra Mauro und Andrea Bianco von 1457 und 1459, zu welchen arabische Angaben benutzt worden sind, ist das Cap der guten Hoffnung (40 Jahre vor der Entdeckung durch Diaz) als Cavo di Diab (Diabolo) und Madagaskar nordöstlich davon als eine dreieckige Insel mit den Namen Sofala und Xengibar eingetragen. Aus arabischen Quellen erfahren wir, daß im Jahre 1420 eine indische Dhau die südlichste Spitze Afrikas, das Cap Diab, umschiffte, danach umkehrte und auf der Rückreise an Madagaskar vorbeisegelte, wo
1 Wenn auch mehr Beweis dafür vorliegt, daß Menouthias eine kleine Insel nahe der afrikanischen Küste war.